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  • Kaffee89
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    BeHo, ich danke Dir sehr für die ausführliche Hilfe. BPS Betroffene wie ich, dissoziieren oft bei Achtsamkeitsübungen und Meditation. Ich merke mittlerweile, welche Ängste mich bestimmen. Kann ich diese Ängste aufarbeiten, sodass ich nicht mehr in Dissoziationen verfalle?

    Ich erreiche mittlerweile Zustände, bei denen Dinge hochkommen, an die ich manchmal schwer glauben kann:

    “Ich liebe dich XY“. Kommt hoch. Ich dachte, ich sei schon längst über sie hinweg.

    Muss ich meine Gedanken, die während der Meditation hochkommen, immer ernst nehmen?

    • This reply was modified 4 years, 9 months ago by Kaffee89.
    Kaffee89
    Participant

    Guten Morgen BeHo,

    hier melde ich mich mal wieder. Mein Achtsamkeitsguru hat mir gesagt, dass Marsha Linehan, die Gründerin der DBT, die meisten Achtsamkeitsübungen von Thích Nhất Hạnh übernommen hat. Ich werde mir mal erst die Achtsamkeitsbücher von Kabat Zinn durchlesen, bis ich mich dann aufmache zum Zen-Buddhismus.

    Ich will Dir erstmal danken! Ich habe mich die letzten Tage mehr auf meinen Atem konzentriert und meine Angst besiegen können: Dass, was hochkommt, sind höchstwahrscheinlich Wortgedanken. Es müssen Traumata sein, die ich nicht verarbeitet habe. Ich höre innerlich meinen Namen. Ich glaube, dass es mein Vater ist. Damit werde ich fertig 🙂 Ich kann mich nun immer mehr auf meinen Atem konzentrieren und merke, wie ich ruhiger und gelassener werde. Es hilft viel mehr, als sich nur auf die körperlichen Empfindungen zu beschränken.

    Beim Spülen nehme ich z.B. das war, was meine Hände im Wasser spüren. Wenn ich dies nun wie bei der Atem-Gang-Meditation mit meiner Atmung verbinde, werde ich nicht nur Glück spüren, sondern auch eine innere Ruhe.

    So, BeHo, ich sage jetzt erstmal, dass es das Finale ist, bevor ich mich irgendwann mal wieder melde bei Dir, weil du in puncto Achtsamkeit und Meditation erfahren bist:

    Thích Nhất Hạnh, scheint Achtsamkeit und Meditation nicht voneinander zu trennen. Kabat-Zinn sagt, dass es im Buddhismus mehrere Strömungen gibt und das jede Strömung andere Türen errichtet hat, die in den gleichen Raum führen. Wenn dies so ist, was kann ich von der formellen Meditation für meinen Alltag lernen?

    Meine formelle Meditation derzeit:

    – Tratak aus dem Yoga (unregelmäßig, ca 10 – 15 min.)
    – Bodyscan (regelmäßig, ca 30 – 45 min. )
    – Atemübungen (unregelmäßig – ca 5 – 10 min.)

    Ich sammle Erkenntnisse bei der formellen Meditation, doch ich merke, dass mir das Nichtbewerten immer noch schwer fällt. Es wird zunehmend einfacher, allerdings tu ich mich damit immer noch schwer. Mir ist aufgefallen, dass der BodyScan mir unheimlich hilft, meinen Körper ganz wahrzunehmen, da ich mich dann als neutraler Betrachter fühle und besser unterscheiden, statt urteilen oder verurteilen kann.

    Kannst Du mir da ein bisschen nachhelfen? Wie kann ich das, was ich bei der formellen Meditation lerne und ausübe, in meinen Alltag integrieren?

    Ich danke Dir vielmals 🙂

    Kaffee89
    Participant

    Deine Achtsamkeitsübungen im Alltag, sprechen mich wirklich sehr an! Achtsames Zuhören, Achtsames Sitzen usw. Sind das Achtsamkeitseigenschaften, die Du dir selber angeeignet hast, oder gibt es dazu auch Fachliteratur? Ich möchte dich nicht zu bombardieren, denn wie du merkst, habe ich viele Fragen, da ich im Achtsamkeitsrang den Grünschnabel oder blutigen Anfänger einnehme. Das ist sicherlich nicht das letzte Buch, was ich über Achtsamkeit lese.

    Falls Du doch darauf antwortest, bin ich Dir dankbar 😉

    Und diesen Achtsamkeitsfehler verzeih ich Dir mal 😀 !

    Kaffee89
    Participant

    Hey BeHo,

    ich bin wirklich positiv überrascht, wie du dich über die Achtsamkeitsaspekte der DBT auskennst! Das gefällt mir 🙂 , denn so verstehst du sicherlich, dass gerade Borderlinebetroffene, manchmal von Gefühlen überwältigt werden, bei denen sie zusätzlich das Gefühl bekommen, dass sie ein Gefühl töten könnte. Gut ist: Ich weiß, dass es nicht passieren kann.

    Ich werde meinen Achtsamkeitsguru nächste Woche noch einmal aufsuchen und ihm diese Frage stellen. Denn es ist mir wichtig, mich mit meiner Atmung anzufreunden, weil ich – wie du richtigerweise oben beschrieben hast – gemerkt habe, dass man dadurch viel ruhiger und gelassener wird. Es ist wahr, dass ich mich, wenn ich beispielsweise im Bus sitze, wahrnehme, was ich körperlich spüre: Mein Gesäß auf dem Sitz, meine Beine, meine Füße, meinen Rücken an der Rückenlehne. So bin ich anwesend. Mit dem Atem schaff ich es auch anwesend zu sein, es ist für mich aber schwieriger.

    Ich will mich mit der Achtsamkeit noch intensiver beschäftigen, da es für mich ein wichtiger Leitfaden im bewussteren Leben ist. Von daher will ich über die Aspekte der DBT hinausgehen und meinen Horizont erweitern.

    Ein zentraler Aspekt der Achtsamkeit in der DBT:

    – Kommt ein Gedanke: Wahrnehmen, Gedanken benennen und vorbeiziehen lassen. Wie eine Welle. Da eignet sich das bewusste Atmen in dem Moment, sehr gut.

    Nun, BeHo, mir würde es wirklich helfen, wenn Du mir vielleicht erzählen würdest, wie oft Du im Alltag, bewusst atmest, in der informellen Meditation. Natürlich nur, wenn Du möchtest!

    Mein Problem mit Achtsamkeit ist folgender: Ich habe gelernt, achtsam zu essen, achtsam zu spülen, achtsam zu gehen. Ich merke, wie gut es alles tut. Es tut wirklich sehr gut. Ich bin glücklich, denn ich schätze mittlerweile die Sachen wert, die früher für mich selbstverständlich waren. Ich gebe aber zu, dass ich in keinem der Übungen, einmal bewusst meinen Atem wahrnehme. Ich nehme meinen Atem nur dann wahr, wenn ich abdrifte. Ich atme dann bewusst um im hier und jetzt zu landen.

    Kurz gefasst, wolltest Du mir sicherlich sagen: Um 6 Uhr aufzustehen und bis 22 Uhr, immer bewusst zu atmen, kann nicht gesund sein?

    Kaffee89
    Participant

    Guten Tag Beho,

    frohes Neues Jahr, wünsche ich Dir zu aller erst!
    Ich hole mal etwas weiter aus, dann kannst du dir ein besseres Bild davon machen. Ich hab die Borderline-Persönlichkeitsstörung und habe das DBT-Programm in einer Psychiatrie, von Marsha Linehan absolviert. Mir geht es sehr gut seit dem. Sie hat Achtsamkeit zu einem der zentralen Punkte der DBT gemacht, um die Anspannung zu regulieren. Unser Achtsamkeitsguru, hat uns immer gesagt, dass wir, wenn wir beispielsweise achtsam laufen, niemals nur unsere Füße wahrnehmen, also in der Sache versenken sollen, sondern noch ansprechbar für Andere sein sollen. Kurzum: Sei in der Gegenwart, doch sei bei dem, was du tust.

    Wenn wir essen, dann sollen wir essen. Wenn wir gehen, dann sollen wir gehen. Wenn wir lesen, dann sollen wir lesen usw.

    Wenn ich mich beispielsweise in der Stadt, wenn ich unterwegs bin, auf meinen Körper als Ganzes konzentriere, kann ich die Welt aus einer ganz objektiven Sicht sehen. Es tut unheimlich gut. Es ist wie in der Kindheit. Eine rote Werbungstafel ist dann eine rote Werbungstafel. Ich brauche mir keine Gedanken um Bewertung zu machen, ich tu es einfach nicht.

    Was ich sagen möchte, ist, dass ich, wenn ich mich auf meine Sinne genau konzentriere, nicht in der Sache versenke, sondern trotzdem noch denken muss.

    Dies als Kontext. Nun die Sache, die ich nicht genau verstanden habe: Ich bin bei der Sache, wenn ich mich auf meinen Körper, aber nicht auf meinen Atem konzentriere. Ich denke viel besser und handle situationsadäquater. Wann soll ich mich im Alltag auf meinen Atem konzentrieren? Wenn ich im Bus sitze? Damit ich nicht abdrifte? Wenn ich für mich alleine bin? Das hab ich noch nicht so ganz verstanden. Das Thema ist sehr komplex. Ich glaube, dass ich dazu noch viel mehr posten werde. Doch das reicht erstmal für den Anfang 🙂

    Ich danke dir im Voraus, BeHo.

    Kaffee89
    Participant

    Da bin ich wieder! Und habe wieder etwas neues zu berichten. Ich habe heute beim meditativen Jonglieren eine neue Grenze überschritten. Es ist das erste Mal, dass ich beim Fixieren auf einen Punkt, es geschafft habe, die Umwelt zum “verschwimmen” zu bringen. Ich habe fast nichts mehr wahr genommen, außer die Bälle und diesmal wurde ich nicht nur unruhig in den Beinen. Ich habe irgendwie eine Art “Fluss” durch meinen Körper gespürt und bin danach wieder vor Freude total ausgerastet, als ich die Bälle nicht mehr halten konnte. Ich bekomme immer mehr Spaß an der Sache … es fühlt sich wahnsinnig an.

    Ich habe mal eine Frage an die Erfahrenen Meditierenden hier …
    Oliver hat mir z.B. die meditative Atmung zum Abschluss empfohlen. Doch bin ich so voller Energie, dass ich mich kaum ruhig halten kann, wenn der Akt vollendet ist. Kann man sowas “speichern”? Ist es vielleicht besser, wenn man danach nicht vor Glück ausrastet? Es fühlt sich wirklich wahnsinnig an. Ich möchte noch mehr aus dieser Sache rausholen!

    Viele Grüße und schönen Abend euch!

    Kaffee89
    Participant

    Hallo BeHo,

    ja, die Psychotherapie ist unvermeidbar. Ich werde dem Therapeuten natürlich davon erzählen. Der meditativen Jonglage werde ich mich aber weiter widmen. Es tut einfach gut. Ich werde mich nochmal melden!

    Vielen Dank. 🙂

    Kaffee89
    Participant

    Vielen Dank für Eure Beiträge. Was die meditative Atmung betrifft Oliver: Dafür müsste ich doch die Explosion in mir ruhen lassen, oder?

    BeHo, deinen Beitrag finde ich sehr interessant. Ich erzähle dir auch die anderen Effekte die dieses meditative Jonglieren bei mir hat: Ich leide seit ich 16 bin unter ganz schlimmen hypnagogen Halluzinationen, Stimmen und Bilder sehe und höre ich kurz vor dem Einschlafen. Nach einem langen meditativen Jonglageakt, verdunkeln sich die Bilder und die Stimmen werden sehr leise. Ich fange bald nach wie vor eine Psychotherapie an, doch gibt mir dies Hoffnung, dass auch dies durch das Jonglieren verschwinden kann. Weißt du zu diesem Thema auch näheres?

    Ja, wenn ich die Meditation dadurch wirklich verbessern kann, dann werde ich das tun. Denn ich lebe wirklich nicht sehr gesund…

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