StartDein MeditationsforumMeditation – ErfahrungenMeditieren während des Jonglierens: Was geschieht mit mir?

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  • #2658
    Kaffee89
    Participant

    Guten Abend liebes Meditationsforum,

    ich hoffe, dass ich hier endlich Antworten auf meine Fragen finden werde. Ich möchte mich kurz fassen:
    Ich bin ein sehr unruhiger Typ der auch leider psychische Probleme hat. Ich jongliere seit einigen Jahren (derzeit 3 Ball Jonglage). Vor einigen Monat gab es eine Zäsur in meinem Leben und ich war buchstäblich am Ende mit den Nerven. Ich habe im Internet auf mehreren Seiten gelesen, dass wenn man beim Jonglieren die Bälle auf Augenhöhe schmeißt und dabei einen Punkt fixiert und den Rythmus einhält, dass man eine Art meditative Wirkung erzielen kann.

    Dies hab ich ausprobiert und ich habe Gefühle gespürt, die ich in meinem Leben zuvor noch nie hatte. Während des Jonglierens, hab ich unglaubliche Glücksgefühle in mir gespürt, etwas, was explodieren will. Meine Beine wurden unruhig, es ging mir einfach gut, als hätte ich mich “verliebt”. Es ist komisch zu beschreiben. Ich habe weiter jongliert, es ging mir immer noch gut. Irgendwann als ich die Bälle nicht mehr in der Luft halten konnte, bin ich wie aus einem Trance-Zustand erwacht und hab erstmal schockiert geguckt, habe vor Glück geschrien, bin sogar durch mein Zimmer gesprungen und hab mich erleichtert auf mein Sofa gelegt und hab nur noch gelächelt. Nach diesem Akt bin ich auch viel ruhiger.

    Dies hab ich wiederholt, mehrere tagelang und ich fühle mich seitdem ganz anders. Ich sehe einige Dinge im Leben nicht mehr so streng, ich kann besser mit Kritik umgehen und auch mit dem Problem, dem Einschnitt in meinem Leben. Außerdem bin ich viel selbstbewusster geworden. Auch meine Tics die ich habe, verringern sich, wenn ich auf diese Art und Weise jongliere. Sind dies meditative Effekte? Ich fühle mich viel besser. Leider finde ich im Internet nicht viel dazu, daher hoffe ich, dass ihr mir hier weiterhelfen könnt.

    Falls dies meditative Effekte sind, wie kann ich dies verbessern? Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie gehabt.

    Viele Grüße aus NRW!

    • This topic was modified 5 years, 8 months ago by Kaffee89.
    • This topic was modified 5 years, 8 months ago by Kaffee89.
    #2661
    Oliver
    Keymaster

    Hallo “Kaffee89”,

    danke für diesen interessanten Beitrag. Und ja, es stimmt, es gitb einige Parallelen von Meditation und Jonglage. Jonglieren kann als eine Art Meditationstechnik gesehen werden. Und da treten dann die erstaunlichen Effekte auf, die du beschreibst. Du könntest ja versuchen, das Jonglieren mit einer abschließenden Atemmeditation zu verbinden, um den Effekt zu steigern. Oder mit Yoga?

    Viele Grüße
    Oliver

    #2662
    BeHo
    Participant

    Lieber Kaffee89,

    generell verfügt jeder Mensch offensichtlich die Fähigkeit, psychische Erfahrungen/Belastungen/Traumata durch geleitete Augenbewegungen (Thema: bilaterale Stimulation) positiv zu beeinflussen. Im Internet findest Du unter „EMDR“ noch mehr Informationen dazu.

    Ebenfalls ist aus der Wissenschaft bekannt, dass unser Gehirn die (unwillkürliche) Eigenschaft und Fähigkeit besitzt, äußere (natürlich auch innere) Reize aufnehmen und zu verarbeiten bzw. sich anzupassen. „Mind-Machines“ geben beispielsweise eine visuelle Frequenz vor und das Gehirn passt sich derer im Laufe der Zeit an. Je nach Hirn-Frequenz kann sich dann Dein mentaler Zustand verändern.

    In Deinem Fall, hast Du die Bälle auf Augenhöhe jongliert und dabei einen Punkt fixiert, der rhythmisch stabil (stimulierende Frequenz) war. Daher liegt es nahe, das eine Art meditative Wirkung (Zustand ohne Gedanken, Wertung, etc.) eingetreten ist.

    Aber zurück zu Deiner Frage, wie Du diese meditative Effekte verbessern kannst. Ich gehe davon aus, dass ein gut funktionierendes Gehirn die Qualität verbessern kann. Damit meine ich eine gesunde Ernährung (z.B. Vitamin B), genügend Erholung (Schlaf), körperlichen Ausgleich (kein überwiegend kopflastiges Leben), etc.. Dein Organismus & Gehirn sollte ca. 30 Minuten vor der Übung genügend Wasser erhalten, damit die Gehirnfunktionen (wie in der Hypnose-Therapie) voll genutzt werden können.

    Falls Du eher der wissenschaftlicher Typ bist, dann könnte Dich vielleicht Klaus Grawe und sein Buch Neuropsychotherapie interessieren. Hier wird beschrieben, wie Neurotransmitter aktiviert werden und was sie bewirken.

    Das sind zumindest meine Ideen zu Deinem Anliegen. Vielleicht konnte ich Dir etwas Inspiration geben. Und viel Spaß weiterhin beim meditativen Jonglieren 🙂

    LG, der BeHo

    #2664
    Kaffee89
    Participant

    Vielen Dank für Eure Beiträge. Was die meditative Atmung betrifft Oliver: Dafür müsste ich doch die Explosion in mir ruhen lassen, oder?

    BeHo, deinen Beitrag finde ich sehr interessant. Ich erzähle dir auch die anderen Effekte die dieses meditative Jonglieren bei mir hat: Ich leide seit ich 16 bin unter ganz schlimmen hypnagogen Halluzinationen, Stimmen und Bilder sehe und höre ich kurz vor dem Einschlafen. Nach einem langen meditativen Jonglageakt, verdunkeln sich die Bilder und die Stimmen werden sehr leise. Ich fange bald nach wie vor eine Psychotherapie an, doch gibt mir dies Hoffnung, dass auch dies durch das Jonglieren verschwinden kann. Weißt du zu diesem Thema auch näheres?

    Ja, wenn ich die Meditation dadurch wirklich verbessern kann, dann werde ich das tun. Denn ich lebe wirklich nicht sehr gesund…

    #2665
    BeHo
    Participant

    Lieber Kaffee89 aus NRW,

    herzlichen Dank für Deine Antwort. Bitte beachte, dass Meditation eine Psychotherapie pauschal NICHT ersetzt. Umgekehrt gilt das Gleiche. Meditation (in Deinem Fall das Jonglieren) und Psychotherapie können jedoch durchaus integrativ sein und sich sinnvoll ergänzen. Dies kann aber Dein Therapeut am besten einschätzen, weil dieser Dich und Deine Lebensgeschichte am besten kennt bzw. kennen sollte.

    Anhand Deiner Informationen interpretiere ich einen gewissen Leidensdruck. Deswegen finde ich Deine Bereitschaft zu einer psychotherapeutischen Zusammenarbeit super. Ebenfalls berichtest Du von der Einsicht Deines derzeit ungesunden Lebenswandels. Ich gehe davon aus, dass Du selbst weist, was gesünder für Dich wäre?

    Durch Meditation hast Du bereits erste Erfahrungen mit einer Befriedung gemacht. Psychotherapie und ein gesunder Lebenswandel können weitere Bausteine Deines Wohlbefindens werden.

    Ich wünsche Dir viel Spaß beim Jonglieren und eine gute Zusammenarbeit mit Deinem Therapeuten.
    Wenn Du noch Fragen hast oder Widersprüche verspürst, dann schreib einfach … 🙂

    LG, der BeHo

    #2666
    Kaffee89
    Participant

    Hallo BeHo,

    ja, die Psychotherapie ist unvermeidbar. Ich werde dem Therapeuten natürlich davon erzählen. Der meditativen Jonglage werde ich mich aber weiter widmen. Es tut einfach gut. Ich werde mich nochmal melden!

    Vielen Dank. 🙂

    #2675
    Kaffee89
    Participant

    Da bin ich wieder! Und habe wieder etwas neues zu berichten. Ich habe heute beim meditativen Jonglieren eine neue Grenze überschritten. Es ist das erste Mal, dass ich beim Fixieren auf einen Punkt, es geschafft habe, die Umwelt zum “verschwimmen” zu bringen. Ich habe fast nichts mehr wahr genommen, außer die Bälle und diesmal wurde ich nicht nur unruhig in den Beinen. Ich habe irgendwie eine Art “Fluss” durch meinen Körper gespürt und bin danach wieder vor Freude total ausgerastet, als ich die Bälle nicht mehr halten konnte. Ich bekomme immer mehr Spaß an der Sache … es fühlt sich wahnsinnig an.

    Ich habe mal eine Frage an die Erfahrenen Meditierenden hier …
    Oliver hat mir z.B. die meditative Atmung zum Abschluss empfohlen. Doch bin ich so voller Energie, dass ich mich kaum ruhig halten kann, wenn der Akt vollendet ist. Kann man sowas “speichern”? Ist es vielleicht besser, wenn man danach nicht vor Glück ausrastet? Es fühlt sich wirklich wahnsinnig an. Ich möchte noch mehr aus dieser Sache rausholen!

    Viele Grüße und schönen Abend euch!

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