Meditieren ohne Dogma

Eingetragen bei: Buddhismus und Meditation | 2
Meditation braucht keinen "Guru" -alles, was Sie benötigen, liegt bereits in Ihrem Inneren bereit.
Meditation braucht keinen “Guru” -alles, was Sie benötigen, liegt bereits in Ihrem Inneren bereit.

Eine Meditation ist eine wunderbare Art, den Alltag gelassener zu sehen und neue Eindrücke von sich selbst, dem eigenen Körper und der Umwelt zu gewinnen. Einer bestimmten Religionsrichtung anzugehören oder sich einer ideologischen Gruppe anzuschließen, ist für die Ausübung und den Erfolg nicht nötig. 

 

Meditieren für die eigene Weiterentwicklung

Menschen versenken sich seit Urzeiten in das eigene Sein. Dafür sind nicht einmal Meditationstechniken notwendig. Wenn Sie für ein paar Minuten Löcher in die Luft starren, üben Sie eine sehr einfache Form der Meditation aus. Diese Hingabe an den Moment ist ein menschliches Grundbedürfnis, die Fähigkeit dazu ist uns in die Wiege gelegt. Gezielt zu meditieren bedeutet, diesen Zustand bewusst herbeizuführen und für einige Zeit zu halten sowie relativ weit in die Tiefe zu gehen.

Der Sinn besteht darin, das eigene Selbst, den eigenen Körper besser kennenzulernen und allem, was im konkreten Augenblick passiert, gelassener zu begegnen. Meditation bedeutet daher konzentrierte Arbeit mit dem eigenen Sein, um sich selbst weiterentwickeln zu können. Ideologien, die vorgefertigte “Rezepte” bereithalten, behindern diesen Prozess meist eher als ihn zu fördern.

 

Was die Meditation so verführerisch für Ideologen macht

Seit es diese Form der Beschäftigung mit sich selbst gibt, stellt sie für Menschen eine große Versuchung dar, sich zum Anführer zu erklären und eine ganze Gruppe um sich zu binden. Die Meditation an sich ist gut für solche Zwecke geeignet, denn Sie erreichen während der Versenkung einen Trancezustand, in dem der Geist besonders offen neuen Erfahrungen gegenüber ist, unwillkommene Beeinflussungen jedoch nicht ganz klar erkennen kann.

Darüberhinaus verbinden Menschen mit Meditation Erscheinungsformen wie Erleuchtung, Weisheit und eine höhere Bewusstseinsebene. Neueinsteiger stellen ihren Meditationsleiter daher rasch auf ein Podest und denken, dieser Mensch wäre bereits fortgeschritten und auf eine diffuse Weise besser als sie selbst. Das ist natürlich nicht der Fall, und ein guter Leiter oder eine bewusste Leiterin kennt dieses Phänomen und geht entsprechend achtsam damit um.

 

So erkennen Sie Fallen

Für manche Menschen ist die Versuchung, andere in ihre eigene Ideologie zu ziehen, jedoch zu groß. Sie benutzen das vertrauensvolle Verhältnis, das sich in dieser intensiven Arbeit entwickelt, um sich eine eigene Anhängerschaft zu sichern oder für eine Glaubensrichtung Jünger zu rekrutieren.
Sollten Sie es mit so einer Person oder Gruppierung zu tun bekommen, ist es wichtig, sich rechtzeitig abzugrenzen.

Früherkennungszeichen für unausgewogene Meditationsleitung sind:

  • Sie haben in Ihrem Kurs das Gefühl, nicht zu genügen. Es scheint Ihnen, alle anderen wissen mehr als Sie, es schwebt ein Geheimnis im Raum, das Sie nicht kennen. Ein unklares Versprechen hängt in der Luft, in dieses Geheimnis eingeführt zu werden, wenn Sie nur hart genug arbeiten.
  • Ihre Leiterin lässt immer wieder wunderbare Geschichten über bestimmte Religionen, Persönlichkeiten oder sich selbst einfließen, an denen in der Gruppe keine Kritik geäußert werden darf. Eine andere Meinung wird mit Missachtung oder empörter Ablehnung bestraft.
  • Der Leiter ist als Person vollkommen unumstritten. Jede seiner Äußerungen und Eigenschaften ist wundervoll. Sollten Sie nicht mit allen Methoden einverstanden sein, dann legt die Gruppe oder die Leitung Ihnen nahe, dass Sie noch nicht weit genug entwickelt sind, um die Zusammenhänge zu verstehen.
  • Äußern Sie generell andere Meinungen, leben Sie offen einen anderen Lebensstil oder gewinnen Sie aus Meditationen ganz eigene Erkenntnisse, so erfahren Sie keine Unterstützung auf Ihrem Weg. Die Leitung und die Gruppe versuchen, Sie “auf den richtigen Pfad” zu lenken oder strafen Sie mit Missachtung.
  • Absolutes Alarmsignal ist, wenn Sie sich mit ungerechtfertigten finanziellen Forderungen konfrontiert sehen. Das kann auch in Form von immer neuen Kursen geschehen, die Sie besuchen “müssen”, um einen weiteren Grad der geistigen Reife zu erreichen.
Generell gilt: Wenn Sie sich in Ihrem Meditationskurs nicht wohl und gut aufgehoben fühlen, wählen Sie einen anderen – das Angebot ist groß.

 

Woran Sie einen guten Kurs erkennen

Einen wirklich ausgewogenen Meditationskurs zu besuchen, kann eine große Bereicherung sein und das eigene Gespür für sich selbst und das Leben als solches immens vertiefen. Und es gibt sie: Ausgezeichnete, verantwortungsbewusste Leiterinnen und Leiter, die Sie liebevoll und mit Respekt für Ihre Persönlichkeit auf Ihrem Weg begleiten.

Anzeichen dafür sind:

  • Sie haben das Gefühl, als Mensch zu genügen, so wie Sie sind.
  • Sie fühlen sich gut aufgehoben und können alle Fragen stellen, die Sie beschäftigen.
  • Kritik und andere Meinungen sind im Rahmen des Kurses möglich, die Leiterin oder der Leiter gehen ernsthaft darauf ein.
  • Ihre eigene Weiterentwicklung steht im Vordergrund, Ihre Persönlichkeit kann sich frei entfalten. Jede Erkenntnis ist möglich und wird offen aufgenommen.
  • Sie müssen nicht mehr für den Leiter oder die Gruppe tun als vereinbart ist.

Manchmal ist es nötig, mehr als nur einen Kurs zu besuchen, um genau das richtige Angebot zu finden. Doch es zahlt sich aus, eine fördernde Meditationsgruppe unterstützt Sie auf dem Weg zu Ihrem eigenen Sein.

2 Antworten

  1. Frank

    Hallo, Oliver,
    Sehr guter Artikel, danke für die Anregung.
    Diese Art der Meditationskurse, wie du sie beschreibst, gibt es auch bei mir, unter anderem auch in der Kombination mit Erlebnisspädagogik.
    Vielleicht ergeben sich ja mal Symbiosen.
    HG
    Frank

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.