Fernsehen, Internet, chatten, twittern oder private und berufliche Anspannungen – wir erleben unsere Welt mit unzähligen Ablenkungen. Der Wunsch, die Augen zu schließen, um sich diesen Reizen zu entziehen, ist groß. Wohl jeder kennt das wohltuende Gefühl der Hingabe. Wir richten den Fokus voll und ganz auf eine Sache aus und befreien uns gleichzeitig von überflüssigen Gedanken. Wie aber schaffen wir es, diesen Zustand bewusst und gewollt zu erreichen? Der Kühlschrank der inneren Gedanken brummt und die Wellen an der Oberfläche des Sees tosen.

Mit welcher Methode fällt es uns leichter, die Atmung, Gefühle und Körperbefindlichkeiten bewusst wahrzunehmen? Sollten wir die Augen schließen?

 

Außenreize reduzieren – die Kunst des Weglassens

Unsere Wahrnehmung während der Meditation führt in erster Linie über konsequente Atemübungen. Meditationsobjekte erleben wir eher subjektiv.
Fest steht, jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Meditation beruht nicht auf Vorgaben. Es wird nie verlangt, dass nur mit offenen oder nur mit geschlossenen Augen meditiert werden darf. Im Zen-Buddhismus ist die Meditation mit offenen Augen erwünscht, aber nicht Bedingung. Das beruht darauf, dass der Aufmerksamkeitsaspekt im Zen weitaus wichtiger ist als der Konzentrationsaspekt.

 

Entspannte Wachsamkeit oder kraftvolle innere Ruhe?

Stütze dich auf beide Säulen der Meditationstechnik und finde heraus, wie du meditieren möchtest:

  • Erste Säule: passiv einschließend, nicht fokussierend = Aufmerksamkeit.
  • Zweite Säule: aktiv ausschließend, fokussierend = Konzentration.

Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. 

 

Offene Augen erlauben dir die aktive Verbindung zur Innen- und Außenwelt. Jedoch können die Ereignisse der äußeren Welt ablenkend wirken. Du beruhigst deinen erregten Geist, indem du deinen Blick fest auf ein Objekt richtest, zum Beispiel auf eine Kerze. Mit der Zeit hilft dir diese Übung, unerwünschte Gedanken zum Stillstand zu bringen. Du nutzt alle fünf Sinne, um das Objekt zu sehen, zu riechen, zu fühlen, zu schmecken oder zu hören. Nach einiger Zeit nimmst du nur noch die Flamme der Kerze wahr. Die Umrisse werden dunkler.

Wenn du mit geschlossen Augen meditierst, fällt dir die Verbindung zur Innenwelt leichter. Vor deinem inneren Auge entwickelt sich eine Vorstellung. Du siehst, spürst und erlebst symbolträchtige Begriffe wie Glück, Brücke, Gewissen oder Rose. Während die äußeren Sinne verschlossen bleiben, sucht sich die Bewusstheit einen Weg und bewegt sich nach innen. Alle Sinne sind mit deinem Körper verbunden.
Jedoch ist die Gefahr des Einschlafens größer.

Es ist nicht entscheidend, ob wir still sitzen oder in Bewegung sind, oder ob wir mit offenen oder mit geschlossenen Augen meditieren – das Wesentliche ist, dass wir unsere gesamte Energie auf einen Punkt lenken, um dann zu merken: Da ist jetzt wieder ein Gedanke.
Die Momente der Hingabe erreichen wir sowohl mit geschlossenen als auch mit geöffneten Augen.

 

„Mit der Zeit bekommt die Seele die Farben der Gedanken.“ Marc Aurel

 

Treffe eine kritische Auswahl und wähle bewusst aus, was du in deine Gedankenwelt hineinlässt. Dein innerstes Zentrum ist nicht weit weg. Du erreichst es, indem du in das Geschehen eintauchst. Hingebungsvoll, konzentriert und gegenwärtig.

Kommentare sind geschlossen.