Christentum, Buddhismus und Co.: Meditation kennt keine Religion

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Ein hinduistischer Sadhu bei der Meditation.
Ein hinduistischer Sadhu bei der Meditation.

Die wenigsten Menschen haben eine Vorstellung von dem, was Meditation sein könnte. Von einem Hauch des Unbekannten und Unfassbaren geführt, fällen sie dennoch positive oder negative Urteile. Meditation- ein unbekanntes Wesen?

Es ist fast unmöglich, eine allgemeingültige Erklärung darüber abzugeben, denn die Arten der Meditation sind auf der ganzen Welt verschieden und ob im Westen oder Osten, ursprünglich steht die Meditation im Dienste der Religion.

„Bist Du ein Christ?“ fragt ein Hindu nach einem längeren Gespräch seinen deutschen Gesprächspartner.
„Ich bin aus der Kirche ausgetreten; so kann ich den Solidaritätszuschlag kompensieren; bekommt er zur Antwort“.
Nachdem er sich höflich nach der Bedeutung der fremden Begriffe erkundigt hat, fragt der Hindu unvermittelt: „Glaubst Du an ein nächstes Leben?“- „Ich bin mir nicht sicher“, ist die Antwort. „Ich auch nicht“, entgegnet der Hindu, „ aber ich bin sicher, dass alles nach einem Plan abläuft. Zu dieser Einsicht kam ich beim Meditieren.“ (Helmut Brenner-Meditation)

Trotz aller Unterschiede in den Weltreligionen wirst Du aber auf eine ganz entscheidende Gemeinsamkeit treffen: Die Menschen führen zur Erreichung ihrer Ziele ein ethisch einwandfreies Leben, dabei ist es nicht entscheidend, welches meditative oder religiöse System gewählt wird, entscheidend ist, dass es auf Ethik beruht.

 

Im Spiegelbild der Sehnsüchte

Viele Menschen sind heute ihrer Herkunftsreligion entfremdet und können mit Glaubenssätzen und religiösen Vorstellungen nichts mehr anfangen. Ein Grund könnte sein, dass es für den gläubigen Christ nicht einfach ist, die oft widersprüchlichen Aussagen seiner Kirche miteinander in Einklang zu bringen. Warum wurden Adam und Eva wegen eines Apfels aus dem Paradies verbannt? Soll man nun den Weg des Schwertes oder der Nächstenliebe gehen? Warum hat die Seele einen Anfang, aber kein Ende? Wie ist es möglich, dass die Nachkommen von Adam und Eva erlöst wurden, nachdem sie Gottes Sohn getötet haben? Schwer verdauliches Futter, für den rational ausgerichteten Verstandsmenschen der westlichen Welt.

Die östlichen Religions-und Meditationssysteme üben hingegen eine hohe Anziehungskraft auf den Europäer aus, zum einen, weil sie altbewährt erscheinen und dem bislang Unbekannten eine geheimnisvolle Kraft beimessen. Der Buddhismus verzichtet weitgehend auf unbeweisbare Götter und deren Welterschaffung. Er bildet somit einen hoffnungsspendenden Gegensatz zum Christentum, das so oft enttäuschend erscheint.

 

Die praktische Lebensphilosophie der Buddhisten

Schon lange vor der Geburt Buddha war die Meditation als Technik bekannt und wurde im Hinduismus und Jainismus geübt. Frei von religiösen Konnotationen übte man sich in der Geistesruhe-und Stille Meditation- Samatha oder in Achtsamkeitsübungen wie Vipassana .
Als Meditationsobjekte dient der eigene Körper oder ein bestimmter Gedanke, es geht um Mitgefühl und Güte und der Versöhnung mit dem Menschen, um Übungen, die religiös ungebunden sind.

Dennoch hat bis heute die Religion in Asien einen prägenden Einfluss auf das Alltagsverhalten der Menschen. Es finden sich Unterschiede zwischen Hindus und Buddhisten. So achtet der Hindu seine Mitmenschen und alle Lebewesen, er kennt aber kaum, was man im Christentum unter Nächstenliebe versteht. Er verhält sich reserviert und ein zugewandtes Lächeln ist selten. Sie sind deswegen nicht unfreundlich, aber sie leben zurückgezogen.

Anders der Buddhist: Sie treten meist freundlich auf und sind dem Menschen zugewandt. Die Kinder spielen fröhlich und es wird unsagbar viel gelächelt. Worauf lässt sich das zurückführen? Wirken die Inder unfreundlicher, weil sie in Indien leben und die Thailänder oder Nepalesen fröhlicher, weil es der Natur ihres Landes entspricht? Beides ist nicht der Fall. Denn bereits an der indisch-nepalesischen Grenze fällt die besondere Freundlichkeit der Nepalesen auf, was mit der religiösen Prägung zusammenhängt.

Des Hindus Ziel ist das mystische Einswerden mit dem Universum, dabei ist er nicht auf seine Mitmenschen angewiesen. Sein Blick ist mehr nach innen gerichtet, als nach außen.

Im Gegenzug ist Mitmenschlichkeit für den Buddhisten ein hoher religiöser Anspruch und führt zur Karmasteigerung. Buddha hat die Erleuchtung auf dem meditativen Weg erreicht.

 

Der Buddhismus wirkt dem Hinduismus gegenüber als tolerantes Gegengewicht:

  • Keine Belastungen der Religion und der Menschen durch Hierarchien und Götter.
  • Keine Herkunftsbedingungen
  • Kein Streben nach ewiger Materie oder ewiger Seele

Zusammengefasst in den vier Wahrheiten und im achtfachen Pfad der Erlösung.

Das höchste Ziel ist im Buddhismus die Erleuchtung und das Erreichen des Nirvana.

Im christlichen Sinne stellt das unmittelbare Erfahren des Göttlichen das höchste Ziel der meditativen Praxis dar.
Wo sich der Christ seinen göttlichen Gebeten widmet und entsprechend seinen Atem einsetzt, wird der Buddhist sich bestimmter Techniken bedienen.
In der christlichen Meditation werden die Gedanken auf Gott und sein Wort gerichtet. Der Buddhist stellt eine solche Beziehung nicht her.

 

Wege der christlichen Meditation

Die christliche Meditation entspricht einem bewussten Nachsinnen oder Nachdenken über Gottes Wort.
Der Begriff Kontemplation lässt sich als christlich-mystischer Weg beschreiben und steht für das „schweigende Gebet“, als nichtgegenständliche Meditation. Hier steht die fernöstliche Meditation in Parallele zur christlichen Kontemplation. (Con=gemeinsam und templum=Betrachtungsraum).

Unter dem Begriff Kontemplation werden an vielen christlichen Klöstern und religiösen Einrichtungen Zen-Kurse oder Yoga angeboten.

Das Herzensgebet der Christen erfolgte bereits im 3. und 4. Jahrhundert. Hier bildeten die Wüstenväter eine mönchische Gemeinschaft. Darunter große Heilige und Menschen der Kirchengeschichte. Sie wiederholten ständig kurze Sätze und Worte aus der Heiligen Schrift, um diese in ihrem Herzeninnersten zu erfahren.

Ähnlich einem mantrischen Gebet führte es zu Stille und Schweigen. Dennoch unterscheidet sich auch diese Form der Meditation von einer gegenständlichen, der buddhistischen, die sich leer von Gedanken und Gottesvorstellungen macht. Mehr über das Herzensgebet, im Sinne der christlichen Meditation und deren Praxis erfährst Du auf der Webseite der evangelischen Landeskirche in Baden, welche in dieser Form: „In der Stille Gott begegnet“.

Der Buddhist beruft sich auf die Erfahrung, der Christ auf die Offenbarung!

Die christliche Auffassung: Der Mensch kann niemals Gott werden, sondern nur von der Gottheit überformt werden. Die Meditation eines Christen ist immer eine Reise zu Gott. Bildhaft gesprochen, wohnt Gott immer im tiefsten Punkt Deines Wesens. Aber auch der Atem ist ein Führer auf dieser Reise und Gott ist der Vater Jesu Christi.

  • Die buddhistische Auffassung: Der Mensch strebt nach uneingeschränkter Buddhaschaft, was nicht heißt, Gott zu werden. Gott wird im Buddhismus nicht über den Menschen impliziert.
Es gibt Parallelen in der christlichen und buddhistischen Meditation, aber es gibt auch viele Widersprüche. Der wohl wichtigste Aspekt: Der Christ strebt nicht das Nirwana an, sondern das ewige Leben.
Die östliche Form versucht, den Geist leer zu machen, die Christen hingegen füllen sich mit dem heiligen Geist.

Nicht selten finden sich Stimmen, die von Sünde sprechen, wenn ein Christ sich den östlichen Traditionen der Meditation verschreibt. Sie würden den Meditierenden unweigerlich zu einer östlichen Weltanschauung führen und ihn dem Christentum entfremden.
Viele Christen sehen keinen Widerspruch zu ihrem Glauben, sondern genießen das Gefühl sich so Gott näher zu bringen.

  1. Jan von Wille

    Vielen Dank für diese Einsichten.
    Ich denke auch, dass es hier viele Gemeinsamkeiten gibt. Buddhisten streben eher nach Erleuchtung , Christen sind eher auf der Suche nach dem persönlichen Gott.
    Das achtsame “Leben in der Gegenwart” wird mit der Gegenwart Gottes verbunden.
    Gebet ist also nicht nur ein gegenstandsloses „ Schauen“ , sondern eine Herzensverbindung zum persönlichen Gott.
    spannend…!

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