Warum meditieren so wenige Männer?

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Meditierende Männer sind im Westen immer noch eine Besonderheit.
Meditierende Männer sind im Westen immer noch eine Besonderheit.

 

Wohin man sieht – in Meditations- oder Yogakursen, in Facebookgruppen oder in Foren zum Thema: Die Geschlechterverteilung ist immer 70/30 oder gar 80/20 zu Gunsten der Frauen. Warum ist das so? Männer brauchen doch genauso wie Frauen innereren Frieden, Ausgeglichenheit und Entspannung, oder nicht? Oder holen sich die meisten Männer diese einfach anders als Frauen?

Was sind die Gründe, weshalb viel mehr Frauen sich mit Themen wie Meditation und Yoga beschäftigen und die Männer so unterrepräsentiert sind? Ich habe hier drei Hypothesen:

 

Yoga pose, Abstract color backgroundGesellschaftliche Vorstellungen vertragen sich immer noch nicht mit dem Meditieren

Vieles hat sich in den letzten 20, 30 Jahren getan – Männer sind nicht mehr automatisch die Ernährer und Frauen diejenigen, die sich um die Kinder kümmern. Männer dringen in Frauenberufe vor und umgekehrt. Frauen sind noch deutlich unterrepräsentiert in den Vorstandsetagen der Unternehmen, doch es herrscht ein weitgehender gesellschaftlicher Grundkonsens darüber, dass sich dies ändern sollte. Doch viele Berufe bleiben Frauendomänen, z.B. in der Altenpflege oder der Sozialen Arbeit (Hiervon kann ich ein Lied singen, die Männer in unserem Jahrgang konnte man an zwei Händen abzählen).

Meditation wird noch immer von vielen Männern als etwas “Esoterisches”, als etwas “Unmännliches” angesehen. Männer gehen, wenn sie sich entspannen wollen, in die Kneipe, auf den Fußballplatz oder zocken eine runde am Computer.

Aber Meditieren? Was ist, wenn das die Kumpels erfahren – dann gelte ich als “Weichei”. Nicht mal ein Ausprobieren ist für viele drin, da werden lieber liebgewonnene Klischees gepflegt. Die Frage ist, wie kann man diese Männer ins “Meditationsboot” holen? Gerade die, die überkommene Rollenklischees pflegen – zu viel Alkohol, von Aggressivität geprägter Umgang mit sich und ihrem Umfeld – bräuchten die tägliche Meditation doch am meisten.

 

Yoga pose, Abstract color backgroundKopf siegt über Bauch

“Wer dran glaubt…” Viele Männer stehen der Meditation skeptisch gegenüber, weil sie sie unter dem Deckel des “Glaubens” oder gar des “Religiösen” subsumieren. Dabei übersehen sie, dass die Wirkung von Meditation längst durch diverse Studien bewiesen ist und die Meditation seit einigen Jahren auf einem guten Weg ist, sich von quasi-religiösen Glaubenssätzen zu lösen und immer mehr die psychische und physische Wirkung regelmäßiger Meditation im Vordergrund steht.

Dogmen werden mehr und mehr beiseitegelegt. Das ist leider bei vielen noch nicht angekommen.

Gerade Männer beginnen viele neue Dinge nur, wenn es ihnen “etwas bringt”. Frauen gehen oft unvoreingenommener an Neues heran. Und lassen sich auch gerne Dinge von Freunden empfehlen. Männer machen gerne Dinge mit sich selbst aus und wenn die Frau oder Freundin sagt: “Hey, mir tut das gut, vielleicht ist das auch etwas für dich?”, dann machen viele Männer es aus Prinzip nicht, weil das ihre Unabhängigkeit bedroht.

 

Meditation MannMeditation macht keinen Sixpack

Die meditative Wirkung vieler Sportarten wie Laufen oder Bogenschießen ist unbestritten. Vom Sitzen bekommt man keinen Sixpack, man baut kein Fett ab und der Körper wird auch sonstwie nicht gestählt. Vielen Männern sind äußerliche Veränderungen wichtiger als innere. Nur die Außenwirkung zählt.

Du meditierst? Das kann ja jeder behaupten. Du hebst täglich Gewichte? Das sieht man auf den ersten Blick.

 

Uff, da bin ich mit meinem eigenen Geschlecht doch recht hart ins Gericht gegangen…

Fallen euch noch andere Faktoren für die ungleiche Geschlechterverteilung ein?

Ich freue mich über eure Ergänzungen und Kommentare!

  1. Marco

    In Wirklichkeit ist das nur die Angst “etwas (sich selbst) zu verlieren. Ich werde auch schräg angeschaut wenn ich offen bekunde täglich zu Meditieren. Ich denke viele Männer haben schlicht und ergreifend Angst sich mit sich selbst gedanklich auseinander zu setzen. Es könnte ja in Selbstrefletion enden… Oh Gott! 🙂
    Viele (insbesondere Männer) haben auch völlig falsche Vorstellungen was Meditation überhaupt ist. Womöglich wird es sogar mit einer gewissen Faulheit gleichgesetzt. Das Mediation rege innerliche Arbeit an der eigenen “Einstellung” ist. Ein nie endender Energiequell und erquickende Weite und Größe des eigenen Selbst, wird sich ihnen nicht eröffnen. Was man nicht anfassen kann… Naja wem es genügt sich nur in der Materie zu bewegen. Bitte sehr.
    Aber spätestens beim Sterben wird sich die Unerfahrenheit mit seinen inneren Vorhängen bitter rächen.

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