Schon vor dem Buddhismus: Die Bön-Tradition in Tibet

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Bön-Masken aus Tibet.
Bön-Masken aus Tibet.

Bevor in Tibet im 7. und 8. Jahrhundert der Buddhismus groß wurde, war die vorherrschende Religion Bön (auch Bon genannt). Sie gilt als die früheste Religionsform des Landes. Bön und Buddhismus beeinflussten sich gegenseitig über die Jahrhunderte und Elemente wurden in die jeweils andere Religion integriert.

Rituelle und schamanistische Elemente fanden ihren Weg in den Buddhismus, buddhistisch-philosophische Aspekte den Weg in die Bön-Tradition. Obwohl Bön gegenüber dem Buddhismus eher in den Hintergrund rückte, verschwanden die Traditionen nicht. 1977 wurde diese Religionsform vom Dalai Lama und der Exilregierung förmlich als fünfte spirituelle Religionsform Tibets anerkannt.

 

Magie als Grundlage einer Religion

Bön steht nach einigen Quellen für Wahrheit, Wirklichkeit und Wahre Lehre, nach anderen für die Ansprache von Göttern durch Magie. Die Praxis ist vielfältig und setzt sich aus symbolischen Handlungen und Ritualen zusammen. Immer wieder durchsetzt von Zahlensymbolik. Bön war ursprünglich eine Zauberreligion und die Bönpa, die Anhänger der Bön Lehren, sind der Meinung, dass Magie die Grundlage ihrer Religion bildet.

Der Glaube an Götter, Geister und Dämonen prägt die Bön-Tradition. Das erklärt auch die vielen magischen und schamanistischen Praktiken. Darunter das Besänftigen und Austreiben von Geistern und Dämonen, Wetterzauber, Opfergaben und Myterienspiele mit Maskierung und Tanz. Talismane und Amulette sind verbreitet und werden von Bön Praktizierenden aller sozialen Schichten getragen. Als Gottheit, oberstes Prinzip und erster göttlicher Lehrer wird Kun-tu bzan-po, die oberste Realität, genannt und auch im Bön-Mantra erwähnt.

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Geschichte und Beziehung zum Buddhismus

Durch die sich verwischenden Grenzen von Bön und Buddhismus, die dessen Geschichte auch jeweils unterschiedlich darstellen, ist der Werdegang der Bön Religion schwierig nachzuempfinden. Bön ginge auf den Lehrer Shenrab Miwoche zurück, der verschiedene Traditionen zu einem einheitlichen System machte. Die Traditionen bestanden schon lange vorher, ohne dass sie jemand als Religion, System oder Lehre bezeichnete. Diese Traditionen breiteten sich im heutigen Tibet und über dessen Grenzen hinaus aus. Das System war zeitweise stark vertreten, zu anderen Zeiten wurden dessen Anhänger geradezu verfolgt. Und mit dem Buddhismus wurden starke, verbale Auseinandersetzungen, um die Geschichte und Abgrenzung der Religionen, ausgefochten. Eine besonders schwere Zeit war für die Bön Religion, wie auch für den Buddhismus, die Mitte des 20. Jahrhunderts als die chinesische Armee sich in Tibet befand.

Das bedeutendste Bön-Kloster trägt den Namen Menri. Es wurde 1405 gegründet. Es überstand jedoch die Zeit der chinesischen Besetzung nicht. Während der chinesischen Kulturrevolution wurde es in Indien, im Exil, neugegründet.
Heute unterscheiden sich Ausbildung und Erscheinungsbild der Bön-Mönche nur wenig von dem der buddhistischen Mönche. Sie tragen ebenfalls das charakteristische rote Gewand. Darunter jedoch ein blaues Oberteil (tögag). Nicht selten leben sie außerhalb der Klöster.

 

Die Formen oder Phasen der Bön-Religion

Bön unterlag einer ständigen Entwicklung und wird in drei Phasen, mit sich teilweise verwischenden, teilweise stark unterscheidenden Merkmalen eingeteilt. Alle drei werden noch heute in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen praktiziert.

Die erste Form wird „primitiver, alter oder schwarzer Bön“ genannt, gilt als eine Art Volksglaube und hat viele schamanistische Einflüsse. Magische Rituale, Trance, und Opfergaben (auch Blutopfer) spielen eine wichtige Rolle und besonders die Begräbnisriten sind sehr komplex.

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Die zweite Form hat viele Namen. Sie wird als „Yungdrung-,Swastika-, ewiger, oder glückverheißender Bön“ bezeichnet. Diese soll auf Shenrab Miwoche zurückgehen, den viele Anhänger als Buddha betrachten, beziehungsweise soll Buddha, laut einigen Bön-Lehrern, eine spätere Inkarnation Miwoches sein. Der Yungdrung-Bön ist in schriftlicher Form in unzähligen Werken beschrieben, in denen es neben Philosophie auch um Heilkunde, Karma und Kosmologie geht. Die Lehren dieser Form des Bön teilen sich wiederum in verschiedene Wege, Pforten und Unterweisungen, von denen einige Elemente denen des Buddhismus sehr ähneln.

Der „reformierte oder neue Bön, Bönpo sarma“ ist die dritte Form, die sich ab dem 14. Jahrhundert aus den vorherigen Formen und Elementen sowie dem Buddhismus ähnelnden Ritualen zusammensetzt.

 

Meditation in der Bön-Tradition

Anbetung, Verehrung und Meditation auf friedvolle und achtsame Art sind Elemente der Bön-Tradition. Auch die Meditationssysteme sind in drei Formen unterteilt. Das Zhang Zhung Snyan (sNyan-rgyud) soll bis auf das 8. Jahrhundert zurückgehen. A khrid (A-khrid) und Dzogchen (rDzogs-chen) auf das 11. Jahrhundert. Wie auch im Nyingma Buddhismus ist die Praxis in neun Yanas organisiert, die mit der „großen Perfektion“ (Supreme doctrine – Bla-med theg-pa) vollendet werden.

 

Bön aktuell

Auf der ganzen Welt gibt es neben Bön-Klöstern auch weitere Zentren, die sich zum Ziel gesetzt haben, über die Bön Tradition zu informieren und diese zu erhalten.

In Deutschland sind das zum Beispiel Garuda Bön e.V. in Frankfurt am Main oder Ligmincha Deutschland in Berlin.

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