5 Dinge über Glück, die ich in Myanmar gelernt habe

10 Wochen Myanmar – das heißt wieder einmal: Herzliche und offene Menschen wohin man blickt, lernen, wie viele Menschen ihren oft stressigen Alltag hier mit Ruhe und Gelassenheit meistern und natürlich auch von den allgegenwärtigen Lehren Buddhas zu profitieren. Was bietet sich hier mehr an, als Gespräche mit den buddhistischen Mönchen in den Tempeln und auf den Pagoden zu suchen und sie zu den Quellen des Glücks zu befragen?

Hier sind meine ersten 7 Erkenntnisse dazu:

 

1. Strebe nicht danach, eines Tages erleuchtet zu werden, du bist es längst

Praktizierenden Buddhisten wird oft die Frage gestellt: Und woran merkt man, dass man erleuchtet ist? Die Antwort lautet: Die Erleuchtung ist schon in dir – du musst nur lernen, sie zu sehen! In dem Moment, in dem alle Dinge sich in Veränderung befinden und letztendlich alles Lebende eines Tages stirbt. In dem Moment, in dem man begreift, dass alle Dinge im Grunde leer sind und nur von uns Menschen mit Bedeutung aufgeladen werden, wird man eine ungeheure Befreiung erfahren.

Letztendlich wird es dann egal sein, ob man Markenkleidung trägt oder nicht, so lange uns unsere Kleidung nur vor der Witterung schützt. Es wird uns egal sein, ob wir in einer Plattenbauwohnung oder einer toskanischen Villa wohnen, denn beides bietet uns ein Dach über dem Kopf. Wir werden aufhören, Reichtümer anhäufen zu wollen, da wir begreifen, dass das größte Reichtum schon längst in unserem Besitz ist.

 

2. Der Glaube an die Wiedergeburt macht uns freundlich zu unseren Mitmenschen

Der Autofahrer, der uns gerade beinahe umgefahren hat, erzeugt Ärger bei uns. Wir würden ihn am liebsten anbrüllen, eine Ohrfeige geben, vielleicht auf sein Auto einschlagen. Doch wir merken, dass er genauso erschrocken ist wie wir. Zudem könnte es sein, dass er die Wiedergeburt deiner Großmutter ist, die wir so geliebt haben. Der Bettler auf der Straße, an dem wir gerade so achtlos vorbeigegangen sind, ist vielleicht sie Wiedergeburt deines Nachbarn, der dir früher immer die Äpfel aus seinem Garten geschenkt hat. Selbst der Wurm, auf den wir achtlos treten, könnte die Wiedergeburt eines geliebten Menschen oder Tiers sein.

Das Konzept der Wiedergeburt mag strittig sein – es bringt uns aber dazu, achtsamer mit unserer Umwelt umzugehen. Und was man gibt, bekommt man zurück. An einem etwas kälteren Tag hier (etwa 20 Grad) als ich nur mit einem T-Shirt bekleidet war, bot mir ein Bauarbeiter seine Jacke an, da ich seiner Meinung nach ja frieren müsse. Das war ein unglaublich rührender Moment, der sehr viel über das menschliche Miteinander hier aussagt.

 

3. Karma!

Wenn wir also das Konzept der Wiedergeburt verinnerlichen können, kommt man um Karma nicht herum. Wie man sich in diesem Leben verhält, hat direkten Einfluss auf das nächste Leben. Somit beeinflusst auch eine unverfolgte Straftat oder ein unentdecktes moralisches Vergehen direkt das nächste Leben. Vielleicht wird man als Straßenköter oder als hungriger Geist wiedergeboren.

Natürlich macht es das Konzept des Karma auch leicht, Ungerechtigkeiten in der Welt zu rechtfertigen und schulterzuckend hinzunehmen: Arme oder Kranke waren eben einfach keine guten Menschen im letzten Leben – selbst schuld!

 

4. Achtsamkeit bringt uns unseren Mitmenschen näher

Die Mönche, denen ich begegnet bin, wirkten teilweise wie kleine Kinder, obwohl sie schon in ihren 60ern oder 70ern waren. Sie machten Späße über meine Größe von zwei Metern, lachten über meinen Bart und wirkten teilweise ungeheuer kindisch. Das liegt daran, dass viele dieser Mönche es geschafft haben, Achtsamkeit in all ihren Handlungen zu kultivieren. Sie gehen unvoreingenommen in jede menschliche Begegnung. Jeder Moment, jeder Mensch ist für sie völlig neu. Es gibt keine Konzepte wie „Ach, der sieht ja genauso aus wie mein alter Mathelehrer“ oder „Der hat einen Vollbart, Menschen mit Vollbart sind mir unsympathisch“. Ich hatte das Gefühl, völlig unvoreingenommen als Mensch so wahrgenommen zu werden, wie ich in diesem einen Moment war.

Deshalb mein Plädoyer: Voreingenommenheiten, Stereotypen und Vorurteile in die Mülltonne! Nimm jeden Menschen so wahr, als sei es deine erste Begegnung mit der menschlichen Spezies überhaupt.

 

5. Das Wichtigste zum Schluss: Bei der Meditation zählt nicht die Quantität, sondern die Regelmäßigkeit!

Fast jeder Mönch, mit dem ich geredet habe, ging auf die Wichtigkeit von Meditation ein. Wichtig ist es hier nicht, wie lang oder wie häufig man meditiere, erstaunlicherweise meditieren die meisten Mönche nicht täglich, sondern dass man es regelmäßig tut und einen gewissen Rhythmus etabliert. Somit solltest du dir sagen: Gut, ein oder zweimal die Woche reicht für mich, das halte ich aber dann auch ein Jahr durch!

Wie stehst du zu Wiedergeburt, Karma und co.? Mumpitz oder hilfreiche Lebenskonzepte? Ich freue mich über deine Meinung!

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