Meditation und Psychotherapie: Oft, aber nicht immer eine gute Verbindung

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Meditation statt oder und Psychotherapie?

Unser Leben führt immer wieder in Unvertrautes, Neues und noch nicht Erfahrenes. Daraus resultieren Ängste – Ängste, die durchaus ihre Berechtigung haben.
Angst: Keiner ist vor ihr gefeit, denn sie gehört unvermeidlich zu unserem Leben. Was wir versuchen können, sind Gegenkräfte zu entwickeln wie Glaube, Vertrauen, Mut, Erkenntnis und Liebe. Meditation vereint diese Kräfte und ist somit ein großartiges Werkzeug, um Hindernisse anzunehmen und sie zu überwinden.

Was aber, wenn uns diese Hindernisse krank machen, wenn sie uns nicht mehr loslassen und beherrschen? Methoden, die jemanden Angstfreiheit versprechen, sollten mit Skepsis betrachtet werden. Oft werden sie der Wirklichkeit nicht gerecht und erwecken illusorische Vorstellungen.

 

Wie kann ich mich nur befreien? Vom Wesen sogenannter „Ich-Störungen“

Die Methoden der Angstbehandlung haben sich über die Jahre gar nicht so sehr gewandelt. Nur sind an die Stelle von magischem Gegenzauber heute moderne, die Angst zudeckende pharmazeutische Mittel getreten – die Angst ist geblieben.
Die wohl wichtigste und neue Möglichkeit der Verarbeitung von Depressionen, Ängsten und Wahnvorstellungen ist heute die Psychotherapie. In verschiedenen Gestalten deckt sie zunächst die Geschichte der Entwicklung auf, erforscht anschließend die Zusammenhänge und ermöglicht letztendlich die Konfrontation mit dem Ziel fruchtbarer Verarbeitung. Ist über diesen Weg ein Entwicklungsfortschritt erkennbar, wäre Meditation eine willkommene Begleitung. Eine Verbindung von Psychotherapie und Meditation macht jedoch nur dann Sinn, wenn der Betroffene in der Lage ist, sein Verhalten zu hinterfragen. Ebenfalls sollte er eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster erkennen können.

 

Wenn Ängste nicht mehr harmlos sind

Hypochondrie – die unbegründete Angst, krank zu werden. Die Ausprägung ist oft verschieden, jedoch handelt es sich bei Hypochondrie stets um eine Zwangshaltung, die sich bis zur Zweifelsucht steigern kann. Solche Zweifel nehmen mehr und mehr den Platz sinnvollen Tuns ein. Reflexhaft sind die Betroffenen so eingefahren, dass schon jeder Gedanke mit dem Gegengedanken beantwortet werden muss. Wenn sich die Aufeinanderfolge von Impuls und Gegenimpuls immer rascher vollzieht, kommt es schließlich dazu, dass sie fast gleichzeitig auftreten. Am Ende dieser Linie werden Reize und Impulse gar nicht mehr wahrgenommen. An dieser Stelle wäre Meditation nicht nur unwirksam, sondern sogar schädlich.

 

Achtsamkeit mit Nebenwirkungen

Meditation ist bewusst machen, achtsam mit seinen Gedanken umgehen. Eine unzureichende seelische Stabilität kann sich dabei ungünstig auswirken. Die Innenschau – der Blick nach Innen kann eine verstärkte Wahrnehmung bestimmter Symptome auslösen. In der Regel treten diese bei Psychosen auf. Meditation ist Erfahrung der inneren Wirklichkeit. In Fällen von schweren oder akuten Depressionen kann es vorkommen, dass sich die innere Wirklichkeit nicht mit der bewussten äußeren Wirklichkeit verträgt.
Wenn sich widerstreitende Erlebnisse im weiteren Meditationsverlauf nicht glätten, ist anzuraten einen Meditationslehrer oder Psychologen zurate zu ziehen. Meditation ist kein Mittel zur Aufarbeitung psychischer Störungen. Mit ihr lassen sich verfestigte seelische Fehlentwicklungen nicht beheben. Allerdings können sich psychische Störungen während einer Meditation zeigen. In diesem Fall empfiehlt es sich, parallel zur Meditation, die seelischen Schwierigkeiten zu bereinigen. Wenn dies in Eigenregie nicht gelingt, muss fachliche Hilfe genutzt werden. Bei Allmacht-Fantasien gelingt Meditation nicht.

Zudem gibt es Personen, die süchtig auf die meditative Versenkung sind. Achtsamkeit als Rauschmittel? Auch Meditationszwang entspricht einer seelischen Erkrankung und sollte psychotherapeutisch behandelt werden.

Fest steht: Starke innere Konflikte und persönliche Probleme können durch Meditation nicht gelöst werden. Schwere Depressionen, Psychosen oder Angststörungen verlangen nach medizinisch-psychotherapeutischer Begleitung.

 

Verdammt, nun meditiere doch endlich…

Mittelerweile suggerieren manche Personen aus ihrer Überzeugung heraus, dass mit Meditation und Yoga alles besser wird. Ihre Annahme: Wenn man nur lange genug übt, verschwinden die Symptome nahezu von ganz allein. Solche Ratschläge können durchaus einen grob-fahrlässigen Charakter tragen und mehr Schaden anrichten als Nutzen erbringen.

Druck und Zwang sind nachweislich der falsche Weg, um Menschen aus ihren Depressionen und Ängsten zu führen. Auf der krampfhaften Suche gerät die ohnehin gestresste Seele immer mehr aus dem Gleichgewicht.

Um mit diesem Phänomen besser umzugehen und Veränderungen zuzulassen, bedarf es einer klaren Motivation, getragen von einem starken positiven Gefühl. Erst, wenn sich Betroffene ihrer Gedanken bewusst sind, mögliche Ursachen erkannt wurden und die eigene Vorstellungskraft eine klare Sprache spricht, dann ist die Meditation der richtige Wegbereiter, um zu stärken und zu festigen.