Erfahrungsbericht MeditationEine lebensbedrohliche Krankheit wie Krebs kann auch Gutes erzeugen.

Im Alter von 65 Jahren erfuhr ich, dass ich an Krebs erkrankt bin. Der Schock war unendlich, jedoch handelte es sich um eine gynäkologische Erkrankung im Anfangsstadium. Die Behandlungsmethoden waren weniger aggressiv, als ich vergleichsweise von anderen Betroffenen hörte. Auch schlug die benötigte Chemotherapie bei mir gut an. Jedoch haben auch heutzutage die Infusionen noch unglaubliche Nebenwirkungen und meine Grunderkrankung wurde zwar besiegt, jedoch war ich zu der Zeit sehr anfällig für Infektionen und grippale Infekte.

Ich brauchte dringend eine Auszeit und habe mich auch beruflich zurückgezogen. Die familiäre Unterstützung war und ist mein seelischer Anker, jedoch die meditativen Momente, die ich im Laufe der Krankheit lernen durfte, sind meine unbezahlbaren Stunden am Tag, die mir und meinem innerlichen Befindlichkeiten gehören. Ich habe kurz nach den intensiven medimentikatösen und nicht schmerzfreien Chemobehandlungen damit angefangen, die Zeit bewusst mit mir zu verbringen und viele Bücher über Yoga, Mediation und das Zu-sich-zurückkehren zu seinen Wurzeln gelernt.
Ich habe immer gerne für mich alleine meditiert.

 

Ich weiß, dass es heutzutage groß in Mode ist, im Studio, in der Gruppe zu meditieren…

Aber für mich ist das nichts. Schon die leichtesten Nebengeräusche wie hüsteln, niesen oder nur das bewusste Atmen anderen raubt mir den Nerv, macht mich nervös und hält mich vom Meditieren ab. Diese Argumentation mag für so machen ichbezogen klingen, wer jedoch schon mal in seinen Leben eine an seine Grenzen bringende medizinische Diagnose erhielt, weiß, dass das persönliche Dasein auf einen komplett neuen Level katapultiert wird. Ja, meine Familie ist mir nach wie vor wichtig, aber während des Meditierens will und darf ich niemanden um mich haben.

Selbst im Garten kann ich nicht meditieren, denn auch Geräusche aus der Natur lassen mich aufschrecken. Ich sitze meist in meinem sehr spärlich möblierten Arbeitszimmer. Die Wohnung verfügt über schalldichte Fenster. Die absolute Ruhe in einem sehr persönlichen, vertrauten Zimmer, ist für mich das einzig Wahre. Es dauert nur wenige Minuten, bis ich die für mich perfekte Sitzhaltung gefunden habe. Kleidung, Aussehen, nichts spielt eine Rolle, nur die Haltung, geschlossene Augen und das Insichkehren.

 

Ich fühle mich wohler, lebe bewusster im Einklang mit meinem Körper, seit ich meditiere

Ich war vor meiner Krankheit eine moderate, aber regelmäßige Raucherin. Die Schockdiagnose Krebs hat dazu beigetragen, den kompletten Lebensstil zu überdenken und radikal zu ändern. Rauchen gehörte von heute auf morgen der Vergangenheit an. Eine wirklich große Ironie des Schicksals habe ich doch mein Leben lang Rauchen für eine Sucht gehalten, auf die der Einzelne nur beschränkt Einfluss hat. Ziemlicher Humbug ! Es ist alles möglich. Sofort mit dem Rauchen aufzuhören, radikal seine Ernährung zu ändern und sich bewusst damit auseinanderzusetzen, wie jeder Einzelne von uns seinen Körper – immerhin den Einzigen den wir haben- behandeln bzw. misshandeln.

Erst die medizinische Schreckensnachricht, die Behandlungen, haben mich gezwungen, mit meinem Körper, dem Wie-ich-mich-fühle, wirklich täglich auseinanderzusetzen. Das tägliche Meditieren gehört für mich seit ein paar Jahren zu meinem Leben wie Essen und Trinken. Es fehlt mir schlicht etwas, wenn ich nicht Zeit nur mit mir in der Stille meines Zimmers verbringe. Ich brauche dazu auch keine esoterische Musik oder atmungsaktive schicke Joggingsachen. Nichts ist effektiver und frei von Äußerlichkeiten und externen Einflüssen wie das Meditieren in vollständiger Ruhe und Einheit nur mit sich und seinen Gedanken und das bewusste Spüren des Körpers, in dem wir leben, denken und lieben.

 

Warten Sie nicht erst, bis Sie erkranken, um endlich etwas für sich und Ihren Körper zu tun!

Meiner Erfahrung nach sind es immer Schockerlebnisse, die zum Umdenken des bis dato geführten Lebensstils animieren. Anfangs wurde ich von meinen Söhnen und Enkelkindern belächelt, nicht boshaft, sondern milde. Aber in der Zwischenzeit werden ich und meine Bedürfnisse ernst genommen und respektiert. Vielleicht hätten Töchter mehr Verständnis aufbracht wie Söhne, aber sie sehen, dass ich mich weniger schnell aufrege, mir die Auszeiten nehme und auch Rücksicht auf meine „Ruhezeiten“ einfordere. Ich habe mir zusätzlich ein Stück Respekt erarbeiten. In meinen Rollen als Mami, Oma und Ehefrau bin ich nicht mehr allzeit verfügbar. Und schnell kann ein Schicksalsschlag alles aus den Fugen reißen. Das Meditieren kommt heutzutage viel zu kurz. Schade eigentlich, früher sind die Leute in die Kirche gegangen, zum Beten. Bis auf das Zwiegespräch mit Gott war es auch nichts anderes, als die Sehnsucht nach etwas Ruhe und Frieden in einer immer hektisch werdenden Zeit.

Ich bin nicht sonderlich religiös. Ich brauche nur manchmal das Zwiegespräch mit mir selber, um wieder etwas klarer zu denken und weiterhin bewusst zu leben und nicht so gottgegeben egoistisch. Ich glaube, dieses „Hobby“ trägt dazu bei, dass ich gelassener bleibe. Sicher gehe ich regelmäßig zu meinen ärztlichen Routineuntersuchungen. Ein Stück Restnervosität bleibt immer, aber die Mediation hilft mir auf gesunde Weise, meinem Körper und Geist Gutes zu tun. Die Meditation heilt keinen Krebs. Aber ich denke, in einem gesunden, glücklichen und ausgeglichenen Menschen fasst diese Krankheit vielleicht schwerer Fuß.

 

Katharina, 67 Jahre

 

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