Epilepsie wird oft auch als "Gewitter im Gehirn" beschrieben.
Epilepsie wird oft auch als “Gewitter im Gehirn” beschrieben.

Epilepsie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Leiden des Gehirns, die auch unterschiedliche Ursachen haben können. In vielen Fällen zeigt sich, dass bei Epileptikern elektromagnetische Impulse Gehirnbereiche zu stark aktivieren oder zu sehr blockieren. Diese Abweichung von der üblichen Funktion hat die klassischen Anfälle zur Folge.
Die grundlegenden Ursachen für Epilepsie sind noch nicht eindeutig erforscht. Mediziner sind sich jedoch einig, dass sowohl Gehirnschäden, Gehirnkrankheiten, Beeinträchtigungen bei der Geburt sowie genetische Faktoren eine Rolle spielen können.

Ein epileptischer Anfall kann relativ harmlos verlaufen, im Extremfall aber sogar lebensbedrohend sein. Durch den vollkommenen Verlust von Kontrolle während des Geschehens sind Menschen im Akutstadium einem großen Unfallrisiko ausgesetzt, sehr starke Muskelkontraktionen können zu Knochenbrüchen führen.

 

Herkömmliche Herangehensweise bei Epilepsie

Das schulmedizinische Ziel der Behandlung von Epilepsie ist die vollkommene Anfallsfreiheit und möglichst geringe Beeinträchtigung des Alltags – etwa durch Nebenwirkungen von Medikamenten. Grund dieses Wunsches ist die Gefährlichkeit der Anfälle durch Verletzungsgefahr sowie die Tatsache, dass aktive Episoden eine “Spur” im Gehirn hinterlassen und es nach und nach schädigen.

Ihr Ziel erreicht die Medizin allein durch Medikamente und Schulung der Patienten bei etwa einem Drittel der Betroffenen. Menschen, die nicht oder nicht ausreichend auf Epilepsiemittel ansprechen, steht die Möglichkeit einer Operation offen. Etwa 50 bis 80 Prozent der Patienten sind danach anfallsfrei, alle tragen jedoch die Gefahren eines Eingriffs in das zentrale Nervensystem.

 

Akutbehandlung

Während eines akuten Epilepsie-Anfalles ist die erste Devise, Schaden zu vermeiden. Alle Gegenstände, die den Krampfenden gefährden könnten, müssen rasch außer Reichweite gebracht werden, die Person soll sich möglichst nicht verletzen können.
So rasch wie möglich wird ein Arzt dem Epileptiker Medikamente – die so genannten Antikonvulsiva – injizieren, die den Anfall beenden oder verkürzen.

 

Dauerbehandlung

Auch zwischen Krampfanfällen nehmen viele Epileptiker Medikamente. Diese machen eine Wiederauftreten einer Episode weniger wahrscheinlich.

 

Medikamentöse Behandlung der Epilepsie

Der modernen Medizin steht eine Reihe verschiedener Mittel für die Dauerbehandlung von Epileptikern zur Verfügung. Sie zeigen unterschiedlich starke Nebenwirkungen, führen jedoch bei etwa einem Drittel der Betroffenen dazu, dass keine akuten Anfälle mehr vorkommen. Erst wenn mehrere Jahre lang keine Krämpfe mehr vorgekommen sind, können Ärzte und Patienten gemeinsam besprechen, ob sie die Medikation ausschleichen lassen oder zumindest vermindern können.

 

Patientenschulung und alternative (unterstützende) Methoden

Ein epileptischer Anfall hat in den meisten Fällen bestimmte Vorzeichen. Bei jedem Menschen können diese variieren, signalisieren jedoch deutlich, dass eine Krämpfe bevorstehen. Für Betroffene ist es wesentlich, die persönlichen Warnsignale genau zu kennen und auch zu wissen, welche Lebensumstände (etwa Stress, verwirrende Bilder, laute Umgebung, …) einen Anfall auslösen können. In der Patientenschulung lernen sie, persönliche Vorzeichen zu deuten und rasch zu reagieren beziehungsweise Vertrauenspersonen mit einzubinden.

Weitere Ansätze:

  • Spezielle Diäten können Anfälle verhindern oder seltener machen.
  • Verhaltenstherapie mit Biofeedback können durch erhöhte Eigenkompetenz Krampfanfälle verhindern.
  • Verschiedene Frühwarnsysteme helfen bei der Akutbehandlung.

Die Vielfältigkeit und Schwere dieser Erkrankung zeigt bereits, dass ein Umgang damit sehr behutsam lieber in kleinen Schritten erfolgen muss und stets besonders achtsam das Empfinden des oder der Betroffenen mit einbeziehen soll.

 

Wie wirkt Meditation bei Epilepsie?

Es ist nicht eindeutig nachgewiesen, dass Meditation die Epilepsie an sich positiv beeinflussen kann. Vor allem bei Formen dieser Erkrankung, die durch Unfälle entstanden sind. Jedoch sind manche Meditationsformen in der Lage, die Auslöser der epileptischen Anfälle deutlich zu beeinflussen.

 

Seelische Zusammenhänge – Anfälle werden wahrscheinlicher durch:

  • Angst
  • Aufregung
  • Traurigkeit
  • Freude
  • Erschrecken
  • Stress
  • Niedergeschlagenheit (besonders nach Anstrengungen)

Vor allem passive Meditationsformen sind in der Lage, mit der Zeit Entspannung und Gelassenheit ins Leben zu bringen. Das seelische Auf und Ab wird langsamer, sowohl freudige als auch traurige, ärgerliche oder frustrierende Ereignisse gleiten für erfahrene Meditierende im Strom des Lebens dahin, ohne ihn oder sie wesentlich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Für Epileptiker kann diese Lebenseinstellung eine wertvolle Hilfe bieten, Anfälle können seltener werden.

 

Große Achtsamkeit besonders am Anfang

Jeder Mensch ist einzigartig und gerade bei der Epilepsie zeigt sich diese Individualität besonders, denn jede Person reagiert auf andere Auslöser mit einer höheren Anfallswahrscheinlichkeit. Daher ist es sinnvoll, sich vor Beginn einer meditativen Beschäftigung genau anzusehen, was bei dieser Technik passiert und welche Ziele sie hat. Im Zweifelsfall gibt ärztlicher Rat Sicherheit. Teile deiner Kursleiterin oder deinem Leiter gleich zu Beginn mit, dass du bereits epileptische Anfälle gehabt hast. Es ist dann einfacher, dir die Aufmerksamkeit zu geben, die gerade bei den ersten Meditationseinheiten sehr wichtig ist.

 

Meditationstechniken bei Epilepsie

Manche Effekte, die bei einer Meditation erwünscht sind, können bei Menschen, die an Epilepsie leiden, einen Anfall hervorrufen. Es gibt daher einige Techniken, die nicht oder nur mit größter Sorgfalt in Frage kommen.

Einige Auslöser, die auch in manchen Meditationen vorkommen:

  • aufgeregtes Atmen
  • laute Geräusche
  • starke Gefühlsregungen
  • sich schnell drehen
  • Dämmerlicht

Vor allem aktive Meditationen solltest du nur dann ausprobieren, wenn du sicher bist, dass die Situationen, die sich darin ergeben, bei dir keine Anfälle auslösen können. Sprich im Zweifelsfall mit deinem Arzt oder deiner Ärztin und auch mit den Leitern des Kurses, den du ausgesucht hast. Dasselbe gilt auch für manche Tanztechniken (etwa den Derwischtanz) und für Fantasiereisen.

Passive und ruhige aktive Meditationsformen vermitteln dir jedoch Gelassenheit und Entspannung. Diese Fähigkeiten können dein Leben bereichern und unter Umständen die Intervalle zwischen zwei Anfällen erhöhen oder sogar ein Ausbleiben von Krämpfen herbeiführen.

 

Lassen Sie Gedanken wie  Wolken vorüberziehen.
Achtsamkeitsmeditation: Lassen Sie Gedanken wie Wolken vorüberziehen.

Achtsamkeitsmeditationen

Bei dieser Technik konzentrierst du dich auf einen kleinen Ausschnitt der realen Welt. Das kann dein Körper sein oder ein Gedanke. Wähle die Intensität der Konzentration so, dass sie dir guttut. Durch das bewusste Ausschalten anderer Reize wirkt die stille Meditation meist sehr entspannend und nimmt Stress aus dem Alltag.

Bereite dich jedoch auch auf diese Technik vor und wechsle langsam von der alltäglichen Aktivität in die tiefer werdende Entspannung. Die Erfahrung wird dir zeigen, welche Vorgehensweise für dich am besten ist.

 

Gehmeditation

Komm langsam aus der Anspannung und lass im Gehen – am besten in einer schönen Umgebung – nach und nach Stressgefühle los.

Achte darauf, die Übergänge in immer tiefere Entspannung so zu wählen, dass sie für dich passen. Bleib zumindest am Anfang im mittleren Entspannungsbereich und gehe langsam tiefer, stets aufmerksam auf die Signale deines Körpers achtend.

 

Bodyscan

Beim Durchgehen deiner körperlichen Empfindungen gleitest du langsam ins Loslassen. Nach und nach bauen sich Spannungen ab, der Körper und die Seele gelangen in einen freien, angenehmen Zustand.

Bei diesen Methoden fühlst du vielleicht schon beim ersten Mal Entspannung, eine dauerhafte größere Gelassenheit kommt nach einigen Wochen oder Monaten in dein Leben. Um deine Reaktionen auf die Meditation gut kennenzulernen, ist es sinnvoll, die ersten Erfahrungen in einem Kurs mit einer erfahrenen Kursleiterin oder einem guten Kursleiter zu machen. Nach und nach kannst du mit dem Erlernen immer besser umgehen und kannst eigene Übungen zu Hause machen. Du kennst dich selbst am besten. Sollte eine der Meditationen Elemente enthalten, die dir aus deiner Erfahrung nicht guttun, wähle eine andere Methode.

 

Weitere Alternativen

Bewusste, langsame Bewegungen, die zu einem gesteigerten Bewusstsein für den eigenen Körper führen, eignen sich in der Regel für Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen. Auch hier gilt: Traue dir selbst, du kannst am besten entscheiden, was für dich in Frage kommt. Im Zweifelsfall ist dein Arzt oder deine Ärztin für dich da. Informiere stets die Kursleitung, damit sie dir genügend Aufmerksamkeit geben kann.

 

Yoga ist die wohl populärste Meditationsform.
Yoga ist die wohl populärste Meditationsform.

Yoga

Ein langsamer Einstieg mit leichten Übungen ermöglicht es dir, zu erkennen, ob Yoga für dich das richtige Mittel ist, um Entspannung zu spüren und deine körperlichen Vorgänge besser zu verstehen. Nach und nach kannst du dich – immer in deinem Tempo – an größeren Herausforderungen probieren.

 

Tai Chi

Die langsamen Bewegungen des Tai Chi führen dich gemütlich von der Aktivität des Alltags in die Entspannung. Mache die Übungen in deinem Tempo mit, und achte auf deinen Körper, um dein Bedürfnis nach Pausen erkennen zu können. Nach und nach gehen dir Abläufe in Fleisch und Blut über und sorgen auch im täglichen Leben dafür, dass du Herausforderungen gelassen annehmen kannst. Sie gleiten so zusagen in dein Leben hinein, um zu wirken, so lange es für dich wichtig ist.

 

Qi Gong

Bringt ebenfalls langsam die Lebensenergie zum Fließen. Eine Kombination von Atem-, Bewusstseins- und Bewegungsübungen bringt dich deinem eigenen Körper näher. Wähle für den Anfang eine Schule, in der die kämpferischen Elemente dieser Methoden eher im Hintergrund stehen. Wenn du sicherer wirst, kannst du gut einschätzen, ob solche Bewegungen dich unterstützen können.

 

Resümee

Gerade für akute epileptische Anfälle kann die Meditation natürlich keine Hilfestellung geben, denn in diesem Zustand ist der Betroffene nicht bewusst anwesend. Die Medizin bietet wirksame Medikamente für diesen Fall und ist auch für die Langzeitbetreuung unentbehrlich. Durch Meditation ist es möglich, auslösenden Faktoren für Anfälle nach und nach ihre Wirksamkeit zu nehmen, epileptische Episoden können seltener werden oder ganz ausbleiben.

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