Erfahrungsbericht MeditationIn den vergangenen Jahren bin ich auf unterschiedlichen Wegen immer wieder mit dem Thema Meditation in Berührung gekommen. In meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin, beim Yoga und im Freundeskreis. Nach anfänglichem Zögern, begann ich mich mehr und mehr dafür zu interessieren, mich damit zu beschäftigen und mir meine eigene kleine Meditationspraxis anzueignen. Meinen Weg dahin und meine Erfahrungen möchte ich gern beschreiben. 

 

Meditation und Yoga

Ich praktiziere schon seit Jahren Yoga. Ich liebe es meinen Körper an seine Grenzen zu bringen. Besonders genieße ich die Anfangs- und Schlussentspannung. Das Einstimmen auf die Yogapraxis und das Entspannen am Ende sind für mich feste Bestandteile. Für meinen Körper ist es wichtig, nach einer Anstrengung wieder runterzufahren. Anfangs gefielen mir die geführten Traumreisen, die geleiteten Muskelentspannungen und Gedankenübungen. Als Meditation habe ich das nicht angesehen.

Erst als ich Erfahrungen mit verschiedene Yogalehrern gemacht habe, ist mir klargeworden, dass es mir am besten bekommt, wenn in der Endentspannung nicht gesprochen wird. Das friedliche Daliegen, ohne Bewegung, die Konzentration die ganz auf die Atmung gerichtet ist. Anders kann ich mir den Abschluss einer Yogastunde nicht mehr vorstellen und ich empfinde es regelrecht als störend, wenn gesprochen wird.

 

Meditation im Freundeskreis

Auch im Freundeskreis ist Meditation ein Thema. Besonders ein Freund von mir, ist großer Meditationsfan. Er beschäftigte sich mit den Themen Stressmanagement und Work-Life-Balance und suchte für sich nach einem Ausgleich zum stressigen 9-Stunden Alltag. Obwohl mich das Thema interessierte, und ich seinen Werdegang mit Spannung verfolgte, war ich doch noch nicht „Feuer und Flamme“.

 

Mein erster Versuch

Nachdem besagter Freund mir von seiner 10 tägigen Meditationsreise in ein Kloster Bericht erstattete, bekam ich dann doch Lust das Ganze auszuprobieren. Ich wollte die Meditation nicht nur nebenbei beim Yoga erleben sondern richtig. Also habe ich mich zu einem Wochenendkurs an der Volkshochschule angemeldet. Es war ein Kurs zur Vipassana-Meditation. In der Gruppe tauschten wir zu Anfang unsere Erfahrungen und Erwartungen aus und bekamen ein paar Hintergrundinformationen.

Dann verbrachten wir die meiste Zeit mit „Sitzen“. So nannten die Erfahreneren das Meditieren. Mir viel es schwer mich darauf einzulassen. Immer wieder musste ich massiv gegen die mich überkommende Müdigkeit ankämpfen. Am zweiten Tag, hatte ich dann das Gefühl irgendetwas richtig zu machen. Ich war nicht mehr müde sondern fühlte mich entspannt. Obwohl es für mich ungewohnt war, lange still zu halten.

 

Im Alltag

Im Kurs wurden wir dazu ermutigt uns jeden Tag ein paar Minuten Meditation zu gönnen. Daraufhin habe ich mir meine eigene kleine Praxis angewöhnt. Begonnen habe ich mit zwei Minuten am Tag. Das schien mit realistisch. Wenn ich mir gleich eine halbe Stunde oder mehr vorgenommen hätte, wäre ich wohl gescheitert. Die Zeit habe ich langsam von Woche zu Woche gesteigert, bis ich bei zwanzig Minuten angelangt bin. Diese versuche ich mir täglich frei zu halten.

An manchen Tagen ist es leichter und an anderen fällt es mir schwer. Zeitweise habe ich auch komplette Einbrüche, und komme einige Tage gar nicht dazu. Aber dann mache ich mir wieder bewusst, wie gut es mir tut, mir Zeit für mich selbst zu nehmen, und wie viel gelassener ich durch den Alltag komme, wenn ich regelmäßig am Ball bleibe.

 

Meine Meditation

Bevor ich starte lüfte ich kurz durch, versichere mich, dass ich bequeme Kleidung trage und stelle meine Telefone aus. Dann setze ich mich in den Schneidersitz und schließe die Augen. Ich versuche langsam zu atmen, und fange an von eins bis fünf zu zählen und wieder rückwärts. Das mache ich eine Zeit lang, bis ich das Gefühl habe, ruhig und angekommen zu sein.

Dann konzentriere ich mich ganz auf meine Atmung, versuche zu spüren wie die Luft in meiner Nase den Weg nach oben und wieder nach unten findet. Sollten sich Gedanken einschleichen, versuche ich sie einfach bei Seite zu schieben. Manchmal fällt das schwer. Wenn es nicht anders geht, sage ich gedanklich die Worte „ein“ und „aus“ im Atemrhythmus. Das ist mein kleiner Trick, wenn ich gedanklich abschweife.

 

Was sich bei mir verändert hat

Seit ich regelmäßig meditiere, bin ich gelassener im Alltag. Probleme erscheinen mir kleiner und leichter zu lösen. Ich lasse mir mehr Zeit für Dinge die mich weiter bringen und meide solche, die mir nicht gut bekommen. Mein Fokus hat sich verändert und ich bin insgesamt ruhiger. Auch körperlich fühle ich mich besser. Nicht, dass ich irgendwelche Beschwerden gehabt hätte, die sich nun in Luft aufgelöst haben. Aber mein Körper fühlt sich entspannter und weniger abgeschlagen an.

Für mich wirkt die Meditation wie eine Ruhepause. Und die können wir in der heutigen Zeit wohl alle gut gebrauchen.

 

 

Ruth, 29 Jahre

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