Erfahrungsbericht MeditationBevor ich das erste Mal an einer geführten Meditation teilgenommen habe, wusste ich so gut wie nichts über das Thema. Neugierig geworden war ich erst, als an meiner Universität ein Kurs zu Achtsamkeitsmeditation angeboten wurde. Der Leiter war ein renommierter Experte auf diesem Gebiet, und so beschloss ich, mir das mal anzuschauen.

Bald stellte ich fest, dass dieser Kurs nichts mit den Seminaren zu tun hatte, die ich sonst besuchte. Unser sympathischer Kursleiter führte und in die verschiedenen achtsamkeitsbasierten Übungen wie den Body-Scan oder die Rosinenübung ein und ermunterte uns, anschließend unsere Erfahrungen in der Gruppe miteinander zu teilen.

Zu Beginn fiel es mir schwer, zehn Minuten am Stück oder länger mit geschlossenen Augen dazusitzen und mich ausschließlich auf meine Gedanken und körperlichen Empfindungen zu konzentrieren. Es tauchten Gefühle auf, die ich als unangenehm erlebte, und mich machte wütend, dass ich meine Gedanken einfach nicht kontrollieren konnte und sie in alle Richtungen abschweiften. Mit zunehmender Übung erfuhr ich aber immer stärker auch die wohltuende Wirkung der Achtsamkeit, und bald sehnte ich die wöchentlichen Sitzungen herbei. Die Meditationsgruppe war wie ein Schutzraum inmitten all der Hektik des Alltags, und die Atmosphäre war von Akzeptanz und Freundlichkeit geprägt.

 

Meditation als Teil des Rehakonzepts

Das nächste Mal kam ich während meiner Tätigkeit in verschiedenen Rehakliniken mit dem Thema Meditation und insbesondere Achtsamkeit in Kontakt. Hier arbeitet ich in Gruppen mit, die verschiedene Entspannungsverfahren und Achtsamkeitstrainings für die Patienten anboten. Bald schon stellte ich fest, dass sich nicht jede Meditationstechnik gleichermaßen für alle Menschen eignet und es darum geht, eine zur eigenen Person passende Technik zu finden. So probierte ich auch autogenes Training und die Muskelrelaxation nach Jacobson aus, ohne aber so davon zu profitieren wie von der Achtsamkeit.

Im Laufe der Zeit lernte ich unterschiedliche Achtsamkeitslehrer kennen und hatte die Möglichkeit, ihre jeweilige Herangehensweise an das Thema zu mitzuerleben. Zum Zwecke der Selbsterfahrung nahm ich an unterschiedlichen Übungen teil, zum Beispiel dem achtsamen Musikhören oder Übungen, die auf der Vorstellung bestimmter Landschaften und deren achtsamer Wahrnehmung im Geist beruhten. Nach und nach verstand ich die Gemeinsamkeiten all dieser Übungen und bekam eine gewisse Routine darin, mich in mich selbst zu versenken und Kontakt mit meinen Emotionen aufzunehmen. Nach wie vor aber versuchte ich alle ablenkenden und scheinbar störenden Gedanken zu ignorieren bzw. beiseite zu schieben, da ich glaubte, auf diese Weise meinen Meditationserfolg zu gefährden.

 

Vertiefung in die Achtsamkeit

Wie es der Zufall wollte, ergab sich in meinem nächsten Job wieder die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der Achtsamkeit. An meiner neuen Universität wurde in verschiedenen Projekten erforscht, wie sich ein Programm zur Rückfallprophylaxe bei Depressionen bei verschiedenen Patientengruppen bewährt. Dieses Programm beruhte im Wesentlichen auf Achtsamkeitsübungen und einer geführten Loving-Kindness-Meditation. Da mich das Thema nach wie vor faszinierte, beschloss ich, mich eingehender mit dem theoretischen Hintergrund zu beschäftigen und las mehrere Bücher zum Thema Achtsamkeit von dem berühmten Achtsamkeitspionier Jon Kabat-Zinn.

Bald schon genügte mir das Lesen jedoch nicht mehr und ich begann, disziplinierter und überzeugter denn je, mit einer regelmäßigen eigenen Praxis zu Hause. Durch die Lektüre der Bücher war mir klar geworden, dass ich manche der Ideen in der Achtsamkeit bisher noch nicht optimal umgesetzt hatte. Statt auftauchende Gedanken von mir wegzuschieben und negativ zu bewerten, lernte ich nun, sie einfach hinzunehmen, ihnen weder anzuhaften noch sie verscheuchen zu wollen. Und machte die Erfahrung, dass jeder Gedanke, wie wichtig er im Moment auch erschien, nach einer Weile von selbst wieder verschwand und mein Geist sich leerte.

Auch veränderte sich mein Umgang mit körperlichen Empfindungen. Während ich bisher Schmerzen oder andere unangenehme körperliche Reize vor allem als lästig und hinderlich für die Meditation empfunden hatte, betrachtete ich sie nun so gut es ging mit einer neutralen Einstellung und einer gewissen Neugier. Ich übte mich darin, Schmerzen interessiert zu beobachten und darauf zu achten, wie sie sich im Laufe der Meditationsübung veränderten.

 

Der vorher-nachher-Effekt

Schnell merkte ich, dass ich zur für mich optimalen Meditationsform gefunden hatte. Während ich mich in den größeren Meditationsgruppen immer etwas beobachtet gefühlt hatte, ermöglichte mir die Meditation für mich alleine, alle Alltagssorgen loszulassen und mich ganz mit mir selbst zu beschäftigen. Obwohl ich feststellte, dass es gar nicht so einfach war, in einem ohnehin schon vollen Tag noch 15-20 Minuten für eine Sitzmeditation unterzubringen, gab und gebe ich mir alle Mühe, mir jeden Tag zumindest einige Minuten für mich selbst zu nehmen. Sobald ich einmal einen oder zwei Tage keine Gelegenheit zur Meditation hatte, merke ich, wie die Anspannung steigt und sich meine Laune verschlechtert.

Insgesamt hat sich durch die regelmäßige Achtsamkeitspraxis mein Umgang mit Belastungen und Stress grundlegend verändert. Ich bin gelassener geworden und versuche, auch in anstrengenden Zeiten jeden Moment zu würdigen und zu genießen. Besonders schön ist, dass einige meiner Mitmenschen mir bereits rückgemeldet haben, wieviel ausgeglichener und fröhlicher geworden bin.

 

Maren, 26 Jahre

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