MeditationMeditation scheint für viele jüngere Menschen Langeweile zu bedeuten. Sie streben nach sportlichem Erfolg, der messbar ist. Viele Sportarten bieten ihnen einen Ausgleich zum Stress und zur Hektik des Alltags. Doch beim Sport zählen nicht nur körperliche Kräfte, sondern auch Geschick und vor allen Dingen Beweglichkeit. Je größer der Aktionsradius des Körpers ist, desto besser kann auch jede Faser der Tiefenmuskulatur trainiert werden.

Dehnübungen und trendige Gymnastikarten stehen daher ganz oben auf der sportlichen Hitliste der Jugendlichen. Auch ich habe mit 14 Jahren auf diesem Weg Yoga entdeckt. Sicherlich ist Yoga kein Sport und auch keine Gymnastik wie Pilates oder Aerobic. Doch die Yogaübungen können sehr anspruchsvoll sein und eine hohe Konzentration erfordern. Schon nach wenigen Übungssequenzen war ich stolz darauf, meinen Körper zu beherrschen. Das wichtigste für mich während der Yogaübungen war die korrekte Ausführung der einzelne Asanas. Mit 14 Jahren ist der jugendliche Körper noch sehr beweglich. Daher hatte ich bei fast bei keiner Übung Mühe sie auszuführen. Mit der Zeit spürte ich nach den Übungssequenzen eine Energie, die durch meinen ganzen Körper floss. Insbesondere bei der letzten Asana im Zyklus, dem so genannten “Toten Mann”, durchströmte mich regelmäßig eine wohltuende Wärme.

 

Mit Yoga fand ich die ersehnte Ruhe

Mit den Jahren habe ich dieses Gefühl mehr und mehr genossen. Je hektischer das Leben wurde, desto öfter habe ich bei Yogaübungen nach Ruhe gesucht. Diese ersehnte Ruhe habe ich auch immer gefunden. Mit Mitte 20 war dann der Schritt zu den ersten ernsthaften Meditationsübungen nicht mehr weit. Mein sportlicher Ehrgeiz hatte sich auf ein Minimum reduziert. Doch dank der vielen Yogaübungen hatte ich mir eine erstaunliche Beweglichkeit erhalten. Sicherlich hätten sich viele andere Menschen an meiner Stelle schon längst mit den Yogatheorien beschäftigt. Aber mich interessierten die verschiedenen Stufen und die Lehrrichtungen im Yoga zunächst wenig. Vermutlich aber hatte ich längst unbewusst begonnen zu meditieren. Mein Körper und mein Geist hatten sich an die Abläufe der Yogaübungen im Laufe der Jahre gewöhnt. Bei der regelmäßigen Übung treten viele positive Nebenwirkungen völlig unbemerkt von alleine ein. Auch die Yogaübungen selbst werden von einigen Lehrern schon als pure Meditation betrachtet. Doch zwischen der unbewusst stattfindenden Meditation und der bewusst geübten Meditation ist noch einmal ein großer Unterschied.

In Büchern und Kursen werden Tipps und Anleitung zur Meditation gegeben. Sogar DVDs mit Kaminfeuer und plätschernden Bächen sind auf dem großen Markt der Esoterik im Angebot. Doch zum Meditieren braucht der Mensch nur ein wenig Zeit, Ruhe und die Fähigkeit der gezielten Konzentration. Auch das berühmte Meditationskissen ist für eine intensive, erholsame Meditation nicht nötig. Ich habe ebenfalls den einfachen Weg gewählt. Nach der Lektüre einiger Ratschläge zum meditativen Yoga und zur Meditation im Allgemeinen habe ich mir Zeit und Ruhe gegönnt für meine ersten Meditationsversuche. Da ich bereits das Gefühl des Energieflusses im Körper kannte, fielen mir die ersten Schritte relativ leicht. Ich hatte auf meiner Yogamatte im Schneidersitz die Hände auf die Knie gelegt und den Rücken aufgerichtet. Daumen und Zeigefinger berührten sich, meine Augen waren geschlossen. Innerhalb kurzer Zeit spürte ich eine sagenhafte innerliche Ruhe. Die Hektik und die anstehenden Anforderungen des Alltags waren in eine unendliche Ferne gerückt.

 

Ausgeglichenheit mitten im Lärm der Großstadt

Mitten in meiner Stadtwohnung, die an ein einer lauten Straße liegt, fand ich den Weg zur völligen inneren Ausgeglichenheit. Da ich auch einige Kurse Autogenes Training absolviert und regelmäßig Übungen zur Muskelrelaxation nach Jacobsen machte, konnte ich die Geräusche um mich herum ausblenden. Allein das Klingeln eines Telefons, der Türsummer und auch meine Lieblingsmelodie auf dem Smartphone lassen mich noch heute während einer Meditationsphase leicht erschrecken. Ich fühle mich bei diesen Störungen wie aus meinen Leben gerissen. Vielleicht lerne ich auf Dauer auch mit diesen Störfaktoren fertig zu werden.

Beim Meditieren konzentriere ich mich nur auf meinen Körper und meine Gedankenwelt. Ideen und spontane Einfälle lasse ich bewusst wieder verschwinden. Bis zu 20 Minuten kann ich mich so konzentrieren und in mir selbst versunken im Schneidersitz sitzen. Als hilfreich hat sich für mich auch eine Themenmeditation erwiesen. Bei dieser Art der Meditation denke ich nur an einen einzigen Begriff und versuche diesen Begriff vor meinem inneren Auge zu visualisieren. Auch die Kerzenmeditation gehört zu meinen Lieblingssitzungen. Bei der Kerzenmeditation schaue ich in das Innere einer brennenden Kerzenflamme. Das Flackern der Flamme wirkt beruhigend auf mich. Nach jeder Meditationsübung fühle ich mich erholt.

Beim Meditieren bin ich keiner einzigen körperlichen Anstrengung ausgesetzt. Ähnlich wie bei der Abschlussübung der Yogasitzungen spüre ich meine Lebensenergie. Ich finde immer wieder zu mir selbst zurück und entdecke sogar hin und wieder Dinge, die auf dem Lebensweg scheinbar zwischenzeitlich verschüttet wurden. Beim Meditieren werde ich mir daher immer mehr meiner eigenen Persönlichkeit bewusst. Die Meditation gibt mir auch in Prüfungs- und Stresssituationen die nötige Ruhe und einen klaren Kopf. Meditieren ist für mich auf jeden Fall immer ein kleiner Urlaub, aus dem ich normalerweise erfrischt in den Alltag zurückkehre.

 

Karina, 51 Jahre

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