Das Gefühl der Einsamkeit geht oft mit Depressionen einher.
Das Gefühl der Einsamkeit geht oft mit Depressionen einher.

Die Ursachen für Einsamkeit und innere Leere können sehr vielfältig sein: Eine Trennung, der Verlust des Arbeitsplatzes, der Verlust des Partners oder Kindes durch Tod oder das Verschwinden geliebter Menschen aufgrund von Umzug oder Streit sind nur einige der Gründe dafür. Jeder Mensch leidet individuell und es lassen sich kaum allgemeingültige Ratschläge geben. Während manche mit dem Alleinsein sehr gut auskommen und sich nicht einsam fühlen, sind wiederum andere dem Einsamkeitsgefühl sehr schmerzvoll ausgeliefert.

Darüber hinaus ist Einsamkeit nicht zwangsläufig mit Alleinsein verknüpft. Auch eine Partnerschaft, ein Job, Freunde oder Familie schützen nicht immer vor Einsamkeit und innerer Leere. Da Einsamkeit auf Dauer zu Krankheiten führen kann, ist es wichtig, sie zu verarbeiten und einen Weg zu finden, der aus dieser emotionalen Notlage heraus führt.

 

Einsamkeit und das eigene Selbstwertgefühl

Außerseiter müssen nicht selten auch Häme und Spott anderer ertragen und fühlen sich aus sozialen Gruppen vertrieben, andere Betroffene wiederum stehen mitten im Leben und haben dennoch das Gefühl, nicht mit sich selbst in Resonanz zu gehen und sind emotional nicht erfüllt. Möglicherweise zweifeln Sie an sich selbst und machen sich Vorwürfe, Sie seien als Person unzureichend oder undankbar. Es besteht jedoch kein Grund, sich für irgendetwas zu rechtfertigen, sich schuldig zu fühlen oder sich für seine Einsamkeit zu schämen.

Innere Leere tritt häufig zusammen mit Einsamkeit auf und kann auch ein Anzeichen für Depressionen sein. Grundlegend lassen sich daher zwei Formen von Einsamkeit und Leere unterscheiden. Einerseits entstehen Gefühle dieser Art in bestimmten Situationen spontan und sind in der Regel auch schnell wieder vorüber. Du fühlst dich dann vielleicht von einem Personenkreis ausgeschlossen, findest gerade keinen Kontakt zu einem Mitmenschen oder bist an einem Ort, an welchem du niemanden kennst. Andererseits können Einsamkeit und Leere auch einen chronischen Verlauf nehmen. Die Folgen sind oft sozialer Rückzug, Krankheit und die Unfähigkeit, auf andere zuzugehen und mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Das Selbstwertgefühl leidet umso mehr und Betroffene verlieren den Mut – schlimmstenfalls sogar den Lebensmut.

 

Jede Form der Einsamkeit bedarf anderer Behandlung

Sollten Zeiten der Leere und der Einsamkeit über mehrere Wochen anhalten, empfehlen wir dir, dir ärztliche Hilfe zu suchen. Mit Anzeichen einer Depression sollte keinesfalls leichtfertig umgegangen werden. Scheue dich nicht, deinen Hausarzt darauf anzusprechen. Depressionen und Burn-Out sind keineswegs Erkrankungen, die nur bei beruflichem Stress auftreten. Vermutlich wird dein Arzt dich an einen Spezialisten überweisen, sodass du letztlich in jedem Fall die Gewissheit haben wirst, von seelischen Krankheiten betroffen zu sein oder nicht. Auch im Falle einer Depression oder eines Burn-Outs können Meditation oder Yoga therapiebegleitend eingesetzt werden.

Situationsbedingter Einsamkeit kann hingegen vergleichsweise einfach und wirksam mit meditativen Übungen begegnet werden. Eine erste einfache Meditation besteht darin, konzentriert zu atmen. Vermisst du beispielsweise einen nahestehenden Menschen, so mache dir bewusst, dass er lediglich gerade räumlich nicht anwesend ist. Begebe dich dazu in eine bequeme und ruhige Position, schließe die Augen, atme tief ein und denken daran, dass die entsprechende Person ebenfalls in diesem Moment atmet. Gib dich einige Momente dieser Vorstellung hin. Wenn du einatmest, atmet die andere Person ebenfalls ein und ebenso atmet ihr gemeinsam aus. Genieße nun den gemeinsamen Atemrhythmus und denke ggf. an das nächste Wiedersehen. Achte darauf, stets mit einem positiven Gedanken in den Alltag zurückzukehren, um die freigesetzte Energie zu nutzen.

 

Meditieren über einen längeren Zeitraum

Einsamkeit und Leere können zu körperlich spürbarem Stress führen und Krankheitssymptome hervorrufen, die an chronische Unruhe und Nervosität erinnern. Entsprechend eignen sich grundsätzlich alle Entspannungsmeditationen, um diese Folgen abzuwenden und neue Kraft zu schöpfen. Dies können zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder die Atemmeditation sein. Alternativ kannst du dich dafür entscheiden, einen längeren Weg der Meditation zu beschreiten und die entsprechende Form der Meditation als Lebensführung verstehen. Um diese Techniken zu erlernen, ist meist professionelle Unterstützung notwendig. Eine mögliche Meditationsformen stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

 

Bewältigung durch Achtsamkeit: MBSR nach Jon Kabat-Zinn

Dieses Meditationsprogramm umfasst binnen acht Wochen regelmäßige Meditationen und kombiniert diese mit weiteren Elementen. Ziel der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mind Based Stress Reduction) ist es, das eigene Leben bewusster wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit lenken zu können. Die positiven Effekte der MBSR wurden bereits in Studien nachgewiesen. Von einer Vielzahl der Krankenversicherungen wird das Absolvieren eines Kurses zudem bezuschusst. Die MBSR-Programme folgen einem strengen Zeitplan und erfordern täglichen Einsatz. Kursangebote findest du auf der Website des MBSR-MBCT Verbandes.

Meditation in Bewegung: Gehmeditation, ein Modul von MBSR.
Meditation in Bewegung: Gehmeditation, ein Modul von MBSR.

Das MBSR-Programm besteht in der Regel aus sechs Komponenten:

  • Bodyscan: Du konzentrierst dich auf die Atmung und trainierst, die eigene Aufmerksamkeit auf verschiedene Regionen des Körpers zu lenken. Der MBSR-Lehrende wird dir diese Technik genau erläutern, später wirst du sie ggf. durch CDs unterstützt ausführen.
  • Yoga: Eine Abfolge bestimmter Yoga-Stellungen auszuführen dient ebenfalls dazu, die körperliche Wahrnehmung zu stärken. Es handelt sich um Übungen, die auch für Anfänger liegend und stehend sehr gut geeignet sind.
  • Sitzmeditation: Du lernst, eine gewisse Zeit in einer aufrechten Sitzposition zu verharren und sich ausschließlich auf das Selbst zu konzentrieren. Diese Übungen dienen dem bewussten Loslassen sowie der Stärkung der eigenen Haltung.
  • Gehmeditation: Jeder Schritt im Alltag soll bewusst wahrgenommen werden. In diesen Übungen wirst du die Aufmerksamkeit darauf richten, welche Wirkung die Schritte in deinem Körper haben.
  • Achtsamkeit: Mit diesen Übungen wirst du im Laufe der Zeit eine veränderte Haltung zur Welt einnehmen. Die Übungen können sehr verschieden sein und lassen sich zum Teil auch sehr gut in den Alltag integrieren.
  • Die Achtsamkeit erhalten: Nun sollen die Erkenntnisse in das eigene Leben übertragen werden. Der Austausch mit anderen Kursteilnehmern ist dabei sehr hilfreich.

 

Zwar kann die MBSR auch ohne Kursteilnahme erlernt werden, jedoch ist dies eine Herausforderung. Die Gründe der Teilnehmer  sind mitunter sehr verschieden, doch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wirst du Gleichgesinnte finden und neue Kontakte knüpfen. In den meisten Fällen wird ein fester wöchentlicher, zwei- bis dreistündiger Termin vereinbart. Dabei werden gemeinsam Übungen ausgeführt und Techniken erlernt. Diese führst du anschließend etwa eine Stunde täglich bis zum nächsten Termin aus. Die Termine dienen natürlich auch dem Erfahrungsaustausch, häufig werden auch Nachtreffen angeboten. Das Selbstvertrauen, welches du zudem durch die konsequente Ausführung des Kurses erlangst, unterstützt in der Ausbildung einer neuen Lebenshaltung.

 

Fazit: Meditation kann gegen das Gefühl der Einsamkeit helfen, ist jedoch kein Allheilmittel

Die Ursachen für Einsamkeit sind sehr verschieden und für jeden Betroffenen sind andere Wege denkbar, wie Einsamkeit und Leere überwunden werden können. Auch wenn ggf. eine parallele psychotherapeutische Behandlung notwendig sein sollte, lässt sich festhalten: Meditation hilft. Allein das gestärkte Selbstvertrauen und die Auseinandersetzung mit sich selbst wird dir helfen, aufrechter auf andere Menschen zuzugehen, Probleme anzusprechen oder Konflikte zu lösen. Innere Leere und Einsamkeit sind keine Emotionen, die sich nicht bekämpfen ließen.

Wichtig ist zunächst, sie zu akzeptieren und sich bewusst zu werden, dass der Schlüssel zu einer Veränderung in dir selbst liegt. Zwar bedarf es einigen Mutes, sich einem Meditationskurs anzuschließen, dochdu kannst dir sicher sein, dass auch andere Teilnehmende möglicherweise ähnliche Schwierigkeiten haben. Dein Ziel ist es, deine eigene Achtsamkeit und deine eigene Auffassung des Lebens zu verändern und dieses Ziel hast du mit allen anderen Teilnehmern gemein.

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